C the unseen

4. Kernmodul | 4. Fs. B.Sc. Architektur, Urbanistik| Prof. Dr. Sigrun Langner,   Dr. Maria Frölich-Kulik, M.Eng. Pia Müller, M.Sc. (ir.) Arch. Jonas Langbein, B.Sc. Till Pulst (Tutor) | 12 ECTS | 8 SWS


Chemnitz wird im Jahr 2025 Kulturhauptstadt Europas sein. Mit dem Slogan „C the unseen“ spielt Chemnitz mit ihrem Image als häufig übersehene und unterschätzte Stadt. Die unentdeckten Qualitäten der Stadt sollen im Kulturhauptstadtprozess sichtbar werden und auch positive Impulse für eine zukunftsweisende Stadtentwicklung gesetzt werden. Eine dieser noch unzureichend erschlossenen Qualitäten ist die Lage der Stadt Chemnitz an ihrem namensgebenden Fluss. Ein zentrales Thema der Stadtentwicklung und im Kulturhauptstadtprozesse ist daher auch die „Stadt am Fluss“.

Im städtebaulich-freiraumplanerischen Projekt „C the unseen“ beleuchten wir die versteckten und unterentwickelten Raumqualitäten entlang des Flusses Chemnitz in einem Gebiet nördlich der Innenstadt zwischen Stadtbad und Schönherrfarbrik.

Hier in unmittelbarer Nähe zur Innenstadt reihen sich entlang des Flusses gründerzeitliche Quartiere mit teilweise aufgebrochenen Blockrändern, Baulücken, Gewerbeansiedlungen, Restflächen ehemaliger Industriebetriebe,  sowie erhaltene industriekulturelle und nachgenutzte Strukturen wie die Schönherrfabrik – ein Gebiet, das durch städtebauliche Brüche und Zwischenräume geprägt ist und in dem die gesellschaftlichen und räumliche Transformationsprozesse der Industrie- und Arbeiterstadt sichtbar werden.

Den vielschichtigen Wandel dieses Gebietes betrachten wir aus einer freiräumlichen Perspektive und wollen fragen, welche stadträumlichen Qualitäten und Freiraumqualitäten können wir entdecken und entwerfen, wenn wir die Stadt vom Fluss aus lesen und wahrnehmen? Wie können aus dieser Perspektive in einem fragmentierten und zerschnittenen Stadtraum neue räumliche und sinnstiftende Beziehungsgefüge aufgedeckt, geknüpft und entworfen werden? Wo bedarf es der städtebaulichen und freiraumplanerischen Neuordnung, um voneinander losgelöste Stadtteile zu verbinden?

Wie können die flussbezogenen Freiraumqualitäten gestärkt und entwickelt, die undefinierten Zwischenräume und Leerstellen qualifiziert werden? Wo bieten diese unbestimmten Räume aber auch das Potential der Mehrdeutigkeit und Offenheit, die Aneigungsmöglichkeiten und Räume des Improvisierens und Experimentierens bieten.

Ausgehend vom Fluss als verbindende Freiraum- und Stadtstruktur werden in analytischen Übungen zur Stadt- und Freiraumstruktur, Geschichte und Raumwahrnehmung Grundlagen der landschaftlichen und architektonischen Auseinandersetzung mit dem Stadtraum gelegt. Für das Bearbeitungsgebiet soll ein strukturelles und programmatisches Gesamtkonzept entwickelt werden, das die Chemnitz und deren angrenzende Stadträume mit ihren übersehenen Qualitäten in Wert setzt. Dabei gilt es zukunfstweisende Themen einer nachhaltigen Stadtentwicklung wie die klimaangepasste und wassersensitive Stadtentwicklung, Umweltgerechtigkeit, postfossile Mobilität, Inwertsetzung des industriekulturellen Erbes und ko-produktive Stadtgestaltung aufzugreifen.

Anhand eines konkreten Standorts wird ein städtebaulich-freiraumplanerischer Entwurf erarbeitet und bis auf den Gebäudemaßstab geschärft und konkretisiert. Dabei wird das Wissen um Verknüpfungen im Verstehen und Entwerfen der verschiedenen Maßstabsebenen vom Stadtquartier bis zum Gebäude und den Bezügen zwischen Stadt- und Freiraum erprobt und erlernt. Im Fokus steht die räumlich-gestalterische Qualifizierung der Übergänge, Schwellen, Grenzen und Verbindungen zwischen Stadt- und Flussraum.

Die Entwürfe werden in gemischten Gruppen (B.Sc. Architektur und B.Sc. Urbanistik) bearbeitet und in wöchentlichen Konsultationen besprochen.

Start: 05.04.2022 11:00 - 13:30 Uhr Marienstraße 13 Hörsaal C