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Sønderborg

Eduardo Chillida, Haus für Goethe, Frankfurt (Bild: Clemens Helmke 2020)
Eduardo Chillida, Haus für Goethe, Frankfurt (Bild: Clemens Helmke 2020)

 

N 54°54'42'' E9°48'39''

Weit genug abseits der Großstadt in der Region Syddenmark, an der Peripherie des dänischen Kulturlebens, entsteht in den Fjordlandschaften Als Fjord und Flensburger Förde eine neu eingebrachte Insel-Landschaft, den Fjordverlauf verjüngend. Die eingebrachte Fjordinsel realisiert mit dem, was auf ihr mit der Natur und mit der Architektur geschieht, auf vielfältige Weise eine ideelle Hermetik. Diese Abgeschiedenheit vom Festland definiert jede Insel als hermetisch, als vorerst einmal verschlossenen ‹Bezirk›. Inselhaftigkeit, Abgetrenntheit sind in der griechischen Mythologie dem Gott Hermes zugeschrieben; er kann sich als Götterbote schneller bewegen als das Licht. ‹Hermes fliegt oder springt von einer Insel auf die andere, wahrt das Gesetz einer jeden, belässt die differenten Vielheiten in ihrem ‹Eigensinn›, ohne sie alle unter einen gemeinsamen Begriff zu zwingen. Deshalb behütet er als vierkantige Herme, ithyhallisch (altgriechisch: ithy = gerade und Phallos), die Grenze.› Solche Abgeschiedenheit macht geheimnisvoll; Inseln sind immer Orte der Sehnsucht. Die nach ihm benannte Hermeneutik aus dem griechischen übersetzt: ‹erklären, auslegen, übersetzen›,ist die Kunst der ‹Interpretation von Texten und des Verstehens›. In idealisierter Form ist Verstehen ein Sein, in dem die Welt sich selbst auslegt. Die intuitive Lesart begreift Verstehen als etwas Unmittelbares, das aller Reflexion vorausgeht und aller Erkenntnis und dem diskursiven Denken zugrunde liegt. In unserem Semesterprojekt entwerfen wir ambitionierte Architekturen, die auf das Wesentliche reduziert sind; sie werden eine gewisse Anonymität besitzen, ihre Gesichter, Ansichten weisen ein stilles archaisches Lächeln auf. Als Grundlage beschäftigen wir uns mit dem kritischen Regionalismus der benachbarten Länder Dänemark und Norddeutschland. Mit reduzierten baulichen Mitteln wollen wir Räume für zeitgenössische Architektur, Landschaftsraum und Stadtraum schaffen, die dem Genius Loci seine Referenz erweist. Wir entwerfen Raumfolgen und Objekte, die in Konzept und Wirkung (Anschauung) die hermetische Insel-Idee in die Architektur aufnehmen. In unseren theoretischen Auseinandersetzungen knüpfen wir dabei an die Entwurfsansätze der Architekten und Künstler Absalon_Meir Eshel, Max Bill, Arne Jakobsen, Henning Larsen, Hannes Meyer, Aldo Rossi, Simon Ungers, Jørn Utzon u.v.a.m. an, die den Architypus mit modernen Mitteln fortführen. «Die Hermeneutik hat die Aufgabe, das je eigene Dasein in seinem Seinscharakter diesem Dasein selbst zugänglich zu machen, mitzuteilen, der Selbstentfremdung, mit der das Dasein geschlagen ist, nachzugehen. In der Hermeneutik bildet sich für das Dasein eine Möglichkeit aus, für sich selbst verstehend zu werden und zu sein.» (1)

Zitate:

(1) Martin Heidegger: Gesamtausgabe, Frankfurt am Main 1975

Literaturvorschläge: 

•Aldo Rossi: Die Architektur der Stadt: Skizzen zu einer grundlegenden Theorie des Urbanen (Bauwelt Fundamente 41)
•Aldo Rossi: Wissenschaftliche Selbstbiografie
•Colin Rowe / Robert Slutzky: Transparency
•Colin Rowe / Fred Koetter: Collage City
•Gaston Bachelard: Poetik des Raumes
•Wilhelm Worringer: Abstraktion und Einfühlung, Ein Beitrag zur Stilpsychologie

Bemerkungen:

Richtet sich an:2.KM B.Sc.A.