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«unseen_Undeclared»

Hauptbahnhof, Chemnitz (Bild: Clemens Helmke, 2020)

 

Sag' mir, wo/wie du lebst (...);

warum space matters. Durch das Suchen nach Nischen bezüglich der eigenen Identität und unserer zukünftigen Beschäftigung/Arbeit bilden sich neue Erfahrungen heraus, die sich räumlich ausdrücken lassen. In unserem Projekt erforschen wir das Potenzial heterogener Nutzungen in einem Megablock, wobei das Objekt zu einem konzentrierten Raum wird und damit die Ausrichtung des städtischen Raums intensiviert. Durch die Gegenüberstellung der Formen des umgrenzenden Raums einer Brache in der Mainmetrople entsteht eine neue identifizierbare Figur, die eine wieder erkennbare und auf sich selbst bezogene Silhouette werden will. Theoretisch ist der Raum ein Ort, mit dem man etwas macht; eine Raumdefinition von de Certeau; Merlau-Ponty unterscheidet einen ‹geometrischen›, de Certeau einen ‹anthropologischen›. «In La Production de l›espace hat Lefebvre eine theoretische Trias von «espace percu» (dem wahrgenommenen Raum), «espace concu» (dem begrifflich gefassten und vorgestellten Raum) sowie «espace vécu» (dem gelebten Raum) entworfen. (...) Pierre Bourdieu hingegen unterscheidet drei Arten von Raum: einen physischen, einen sozialen und einen angeeigneten physischen Raum. Überein kommen alle diese miteinander in Dialog stehenden Raumtheorien darin, dass Räume geschaffen werden und keine Behälter des Sozialen sind.»(1) Neben der theoretischen Auseinandersetzung verfolgt unser Projekt die Idee eines horizontalen/vertikalen Raumkonzept der Zukunft, in der die Technologie das Arbeiten und Wohnen am selben Ort ermöglicht, verschiedene Welten miteinander verbindet und eine Vielzahl von Räumen für kulturelle Nutzungen, Freizeit und Landschaft bereitstellt. Ein historisches Beispiel hierzu ist der Entwurf «Haus der Freundschaft» von Hans Poelzig (1916), ein landschaftliches Multifunktionsgebäude. Kenneth Frampton betrachtete Poelzigs Projekt als ‹ein frühes Beispiel für eine ‹horizontale Megaform›, die die Konnotation einer geologischen Formation annimmt, die aus der Skyline Konstantinopel hervorsticht.› Ein weiteres Beispiel, das Rockefeller Center in New York City wurde zum Symbol des ‹westlichen Urbanismus›; in ihm verkörpert sich die Relation von Ideal und Wirklichkeit. Wir erarbeiten in unserem Projekt «(...) the ‹where› of activities and values, on the qualities and meanings of places, on the space that connect one place to another and on the spatial dimensions of the way activities are organised.»(2)

Zitate:

(1)Martina Löw, Raumsoziologie, Zur theoretischen Entwicklung vom Behälterraum zum relationalen Raum, Surkamp, Frankfurt a.M. 2001, S. 36-44

(2) Patsy Healey, Urban Complexity and Spatial Strategies: Towards a Relational Planning for Our Times, Routledge, New York 2007

 

Literaturvorschläge: *Semesterlektüre

•Michel de Certeau,*Kunst des Handelns, Merve, Übersetzung Ronald Voullié,Berlin 1988
•Gilles Deleuze, Differenz und Wiederholung,Übersetzung Joseph Vogl, Wilhelm Fink Verlag 2007
•Eugen S. Ferguson, Das innere Auge. Von der Kunst des Ingenieurs_ Basel 1993
•Stephan Günzel, Maurice Merleau-Ponty, Werk und Wirkung eine Einführung, Turia und Kant, Wien 2007
•Henri Lefebvre,* The Production of Space, Oxford/Cambridge 1991
•Henri Lefebvre,* Die Produktion des Raums, Raumtheorie. Grundlagentexte aus Philosophie und Kulturwissenschaften, Jörg Düne, Stephan Günzel, Frankfurt a.M. 2006, S. 330−342

Bemerkungen:

Richtet sich an: 5. Fachsemester Bachelorstudiengang Architektur B.Sc.A.
Es besteht die Möglichkeit das Thema unseres Masterprojekts 1.Studienjahr zu wählen, da der Standort identisch ist.