Online-Lehre

Online vs Präsenz?

 

Jüngste Ereignisse haben die verschiedenen Agenden rund um Online-Lehre und -Forschung in den Fokus gebracht. Als Universitäten, Schulen und Hochschulen auf der ganzen Welt im Frühjahr 2020 virtuell wurden, passten sich Lehrende und Studierende an die neuen pädagogischen Werkzeuge an. Für einige Disziplinen verlief der Übergang nahtlos. Andere, wie Architektur, Design und Städtebau, wurden mit der Schwierigkeit konfrontriert, auf die Peer-to-Peer-Lernumgebung, Ortsbesichtigungen und Exkursionen sowie dynamische Interaktionen des Designstudios verzichten zu müssen.

Auf die Schnelle mussten geplante Lehrangebote ins Digitale übertragen werden, neue Methoden, Programme und Platformen erprobt werden. Sowohl für Lehrende-als auch Lernende bedeutete dies vor allem anfänglich einen erhöhten Arbeitsaufwand. In einer internen Lehrstuhl-Umfrage gaben 70% der Studierenden an, dass sie sich durch die Online-Lehre gestresst fühlen. Zu den Gründen, die Stress verursachen, gehören unter anderem der Mangel an persönlichem Kontakt zu Tutoren und anderen Studierenden, der zustätzliche Arbeitsaufwand durch digitale Aufbereitung und die vermehrten Abgaben in den verschiedenen Modulen, aber auch die viele Zeit am Computer und die daraus resultierende mangelnde Bewegung. Über 80% der Studierenden verbringen laut Umfrage sechs oder mehr Stunden täglich vor dem Computer. Hinzu kommen technische Probleme und nicht ausreichende Kapazitäten der Bandbreite (zum Beispiel in Wohngemeinschaften bei parallelen Online-Veranstaltungen) oder andere Internetverbindungsprobleme. 62% der Befragten hatten regelmäßig bis häufig technische Probleme mit Bild oder Ton.

Jetzt liegt das erste Online-Semester hinter uns und die Frage steht im Raum- wie geht es weiter. Was haben wir durch die gezwungene Umstellung von analog auf digital gelernt; was war gut, was kann besser werden und wie können digitale und analoge Formate verknüpft werden?

Durch das Online-Semester ist deutlich geworden, dass insbesondere für gestalterische, kreative Disziplinen ein kompletter Verzicht auf analoge Formate nicht erstrebenswert ist. Mehr als 90% der befragten Studierenden halten die Präsenzlehre für wichtig und 86% würden unter Einhaltung der Hygieneregeln zumidest an Präsenz- Konsultationen teilnehmen. Der persönliche Kontakt sowohl zu Lehrenden als auch unter Studierenden und die Nutzung von Arbeitsräumen und Werkstätten kann und sollte also nicht durch digitale Formate ersetzt werden. Aber die Digitalisierung hat auch Vorteile; ortsunabhängiges Arbeiten, flexible und persönliche Zeiteinteilung, Online-Zugriff auf Lerninhalte (z.B. Aufzeichnungen von Vorlesungen) und spontaner Austausch mit Dozierenden und Lehrenden (z.B. durch Chat-Funktion).

Reaktionen der Studierenden im Anschluss an das Online-Semester:

‚Ich fand dieses Semester wahnsinning spannend, weil es ein Experiment für uns alle war. Ich hätte mir tatsächilch gewünscht, dass wir dieses Experiment deutlich radikaler betreiben.‘

‚Das Corona-Semester war wie eine Achterbahn [...], aber unterm Strich konnte ich die Vorteile für mich gewinnen und eigenständiger als in den Semstern zuvor meine Zeit einteilen.‘

‚Das Online-Semester hat auch seine Vorteile; neue Lehrmethoden auszuprobieren und zu merken, dass Deutschland in der Digitalisierung zurückhängt, und das da noch viel mehr gemacht werden muss.‘

‚Besser als erwartet, dennoch anstrengend für Körper und Geist, da man seine eigenen vier Wände kaum verlassen hat und so der eigentliche Ort für Ruhe und Entspannung zum Arbeitsraum wurde. Für viele Vorlesungen ist es teilweise sehr gut geeignet, für den Entwurf jedoch nicht.‘

‚Das Corona-Semester war eine Prüfung an die eigene Disziplin.‘

Auch im internationalen Kontext bietet die Digitalisierung trotz Reiseverbote und ganz ohne CO2 Ausstoß die Möglichkeit der Vernetzung und des Ausstausches von Universitäten. Zur Erprobung internationaler Zusammenarbeit auf digitaler Basis hat die Professur Städtebau und Entwerfen ein Format entwickelt, dass im Rahmen eines 24-Stunden Online Workshop Studierende vier europäischer Universitäten zusammenbringt.

Es gilt also, Formate zufinden, die die Vorteile der Online-Entwurfslehre mit Präsenzveranstaltungen verknüpfen und so das Repertoire an Möglichkeiten und Werkzeugen der Lehre ergänzt.

Präsenz mit Online!


 

The Urban Design Hackathon is a 24h online workshop for international students from four European universities. In mixed teams you will be developing urban design ideas that define the future of the soon to be closed Karstadt department store at Berlin Leopoldplatz in the diverse working-class district of Berlin-Wedding. The aim is to contribute to the development of a productive and resilient city. 

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Online-Sommersemester 2020

Ergebnisse der Befragungen zur Online-Lehre im Sommersemster 2020:
Städtebaulicher Entwurf Kontext.WWW
Bachelor Architektur und Urbanistik, 4. Semester, 44 Studierende

1. Befragung, Mai 2020

91% finden den direkten Kontakt im Studium wichtig oder sehr wichtig
70% fühlen sich durch die Online Lehre gestresst
Viele Studierende sehen als Vorteile der digitalen Lehre:
- ortsunabhängiges arbeiten
- flexible Gestaltung des Tagesablaufs
- mehr Feedback
- mehr Kommunikation durch Chat-Funktion
Befragung PDF


2. Befragung, August 2020

70% haben mit ihren Arbeitsgruppen in einer Wohnung oder einem Raum gearbeitet
70% möchten mit einer Digital-Workplace-Plattform weiterarbeiten
41% geben an, dass die fehlende Arbeitsraumatmosphäre zu mehr entwerferischen Freiheiten geführt hat
81% würden bei der Einhaltung der Hygieneregeln (AHA) an einer Präsenz-Konsultation teilnehmen
59% würden unter gleichen Bedingungen einen gemeinsamen Arbeitsraum in der Universität nutzen


Wie war das Corona-Semester? - Statements der Studierenden

Virtuelle Ausstellung des Online-Sommersemesters 2020