bauhaus.fm

Das experimentelle Radio an der Bauhaus-Universität Weimar | UKW 106.6 MHz

hinweis shift-fm :

SHIFT.FM

IM SOMMER STARTET SHIFT.FM – DAS REMOTE RADIOPROGRAMM DER BAUHAUS-UNIVERSITÄT WEIMAR

Das Experimentelle Radio, die Professur Philosophie audiovisueller Medien und bauhaus.fm in Kooperation mit usma.radio, mobile radio, radio in between spaces (Zentrum für aktuelle Musik e.V), Museum für Kommunikation (Berlin), u.a.

Sendezeitraum: 6. bis 13. Juli 2020

Weimar, im April 2050

Wir sitzen im Garten der M18, trinken einen Café und schauen auf den Campus. Es ist wieder Leben in der Universität, die Studios, Werkstätten und Labore sind in Betrieb, das Semester beginnt. Wir blicken zurück auf die Zeit als die Corona-Krise begann und fragen uns: ist alles wieder beim Alten oder hat sich die Welt um uns seitdem verändert? Ist unser Verhalten ein anderes geworden, haben sich unsere Einstellungen gewandelt und nicht zuletzt die Methoden, Medien und Inhalte unseres Studiums?

Das Radioprogramm shift.fm – das Remote Radio der Bauhaus-Universität Weimar möchte mit Studierenden unterschiedlicher Disziplinen ein Semester lang aus der Zukunft heraus auf die Herausforderungen der Gegenwart blicken. Dabei geht es darum, eben jenen Abstand simulierend zu gewinnen, den man für eine angemessene Reflexion einer Zeitspanne benötigt. Im Modus der fiktionalen Radiodokumentation geht es weniger darum, heutige Prognosen auf ihre Richtigkeit hin zu überprüfen, als vielmehr um die Fragen der veränderten Wahrnehmungsbedingungen und einem Leben unter Bedingungen eines verunsicherten Wissens und Handelns. Ließe sich eine Ästhetik des Vagen und Offenen daraus gewinnen? Welche Begriffe und medialen Formate konfigurierten den Alltag und auch die politischen Entscheidungen in der Krise? Wo ist nicht nur die Öffentlichkeit, sondern auch das Private zu verorten gewesen, in dieser Zeit?

Nicht zuletzt hatten die Einschränkungen des Handelns in Coronazeiten auch eine philosophische Neugierde freigespielt. Die Vorgehensweise des aufzubauenden Radios ist anachronistisch, insofern eine Vergangenheit mit den Mitteln einer Gegenwart durchdrungen werden soll. Dieser Anachronismus ist auch leitend bei der Textauswahl der philosophischen Lektüre, die uns etwa mit Michel Serres‘ Ausführungen zum Ohr zurück in die Antike führen und uns zugleich für unsere heutigen radiobasierten Behandlungen der Fragen nach dem Gestern inspirieren mögen.

Und wo Serres das „Ohr des Amphitheaters“ inmitten der Stadt als umgeben von den Kammern der Toten beschreibt, denen wir in unseren Boxen zuhören; oder Guy Debord unser aller Vereinzelung als sich wechselseitig befruchtende Koproduktion von Kapitalismus und seinen Technologien – fragen wir uns, wie wir genau jetzt, noch mitten in dieser Zäsur, die plötzlich in allen Medien, Diskursen und Orten der Stadt aufgetauchten Keimlinge, den Common Sense gewordenen Zweifel am Bisherigen und das blubbernde Auftauchen heterotopischer Atolle mit Radiowellen verstärken oder durch Bewegungen und Handlungen in Stadträume einschreiben können. Als künftige Erinnerungen an den Ausnahmezustand, in digitalen Seedbanks für kommende Umbrüche gespeichert – bevor die Welle von Restauration und Reparation ihr Recht auf den Status quo ante eingelöst haben wird.

Am Ende soll ein in verschiedenen Kursen gemeinsam erarbeitetes dreiwöchiges Radioprogramm entstehen, dass die rasant veränderte Gegenwart künstlerisch-inhaltlich und multiperspektivisch reflektiert. Dabei wird es nebenbei auch um die veränderte Kulturtechnik des Radios gehen und sich daraus ergebende neue Ästhetiken: Wie lassen sich Podcast und Radiokunst im Home Studio realisieren, Audiowalks auf Google Street View? Wie lässt sich Regie ohne direkten Kontakt zu den Schauspielern führen und Jam-Sessions mit Musikern im Video-Chat aufnehmen?

Nicht zuletzt soll „shift.fm – das Remote Radio“ in Zeiten der physischen Isolation eine gemeinsame Kommunikations- und Austauschplattform für die Aktivitäten des Campus bieten.

Kooperiert wird mit einer Vielzahl an nationalen und internationalen Partnern, Radiostationen, Künstlern und Wissenschaftlern, gesendet wird auf bauhaus.fm (im Stream) und zeitweise auf Radio Lotte (auf der Frequenz 106,6 kHz).

Dozententeam/bauhaus.fm: Konrad Behr, Laura Dang, Astrid Drechsler, Sebastian Lederle, Lefteris Krysalys, Fabian Kühlein, Lukas Matthaei, Maximilian Netter, Nathalie Singer, Christiane Voss, Dominique Wollniok u.a.

Mehr Informationen unter: https://www.uni-weimar.de/de/kunst-und-gestaltung/professuren/experimentelles-radio/lehre/shiftfm/