Published: 27 February 2017

Tagung: »Die Relevanz der Irrelevanz oder: Heterarchische Ordnungen der Mimesis«

Vom 23. - 25. März 2017 richtet das Teilprojekt »Mimesis des bewegten Bildes« der DFG-Forschergruppe »Medien und Mimesis (FOR 1867)« seine Abschlusstagung »Die Relevanz der Irrelevanz oder: Heterarchische Ordnungen der Mimesis« im Festsaal des Goethe Nationalmuseums in Weimar aus. Die Tagung bildet den Abschluss der ersten Förderperiode des Teilprojekts und seiner Auseinandersetzung mit mimetischen Konzepten und ihren Dynamiken in bewegtbildlichen Kontexten.

Im Gegensatz zu einer traditionellen Mimesisforschung, die Unterscheidungen zwischen Vor- und Nachbild sowie zwischen Original und Kopie für unproblematisch hält, befragt das Teilprojekt die vermeintliche Eindeutigkeit solcher Unterscheidungen. Denn was mimetisch zählt und als relevant gilt, ist zumindest historisch und je nach Dispositiv und Situation variabel. Entsprechend sind mimetische Ordnungen selbst plastisch und ephemer und deshalb auf ihre je eigenen Ir/Relevanzsetzungen hin zu untersuchen.

Wie, wann und wodurch wird mimetische Ir/Relevanz medial und diskursiv erzeugt bzw. geltend gemacht? Welche ästhetischen und sonstigen Operationen sorgen für mimetische oder anti-mimetische Effekte? Und welche Kriterien und Funktionen wären ir/relevant für die Ab- und Eingrenzung einer spezifisch bewegtbildlichen Mimesis?

Zahllose Versuche sind historisch unternommen worden, das Relevante zu erkennen und vom Irrelevanten zu separieren, herauszufinden, was Vor- und Nachbild eigentlich trennt und damit die Ir/Relevanz und ihre Kriterien zu bestimmen. Doch nicht erst seit der Dekonstruktion und dem postmodernen Lob der Oberfläche, sondern spätestens mit dem Auftreten des bewegten Bildes ist deutlich geworden, dass derlei Versuche problematisch sind. Was beispielsweise für das eine Bild einer Bilderfolge gilt, vermag schon im nächsten entbehrlich zu sein. Was Ursache und was Wirkung ist, kann ins Irisieren geraten oder überhaupt nur im Nachhinein und in heuristischer Hinsicht unterscheidbar werden.

Im Schnittpunkt von (Medien-) Philosophie, Ästhetik, Literatur- und Kunstwissenschaften sowie Kulturtheorie widmet sich die Tagung diesen Problemen des Umschlagens vom Relevanten ins Irrelevante und zurück. Im Rahmen dessen werden exemplarisch konkrete Verdichtungsfiguren diskutiert, in denen jenes Wechselspiel materiell, technisch und operational – etwa filmisch – zur Darstellung gelangt.

Die Veranstaltung ist öffentlich und der Eintritt ist frei.


Kontakt:
Franziska Winter
Bauhaus-Universität Weimar
DFG-Forschergruppe Medien und Mimesis (FOR 1867)
Bauhausstraße 11
99423 Weimar
franziska.winter[at]uni-weimar.de
www.fg-mimesis.de


Hintergrund

Das von der Deutschen Forschungsgemeinschaft (DFG) und dem Schweizerischen Nationalfonds (SNF) geförderte Kooperationsprojekt »Medien und Mimesis« hat zum 01. April 2014 an den Universitäten Weimar, Bochum, Frankfurt am Main, Basel und Zürich sowie an der Akademie der Bildenden Künste München seine Arbeit aufgenommen. Die Forschergruppe untersucht die Kulturtechnik der Mimesis vor dem Hintergrund der aktuellen Entwicklungen in der Medienforschung.
Das Teilprojekt »Mimesis des bewegten Bildes« analysiert dabei mithilfe des Mimesisbegriffs Schlüsselpotenziale der zeitbasierten Medien Film und Fernsehen und schlägt eine theoretische Neuorientierung vor: Gemeinhin wird filmische Mimesis vertikal befragt, unter den Gesichtspunkten der Diegese, der Repräsentation und der Welterzeugung. Dagegen setzt dieses Forschungsvorhaben konsequent solche mimesisorientierten Modelle und Begriffe ein, die es erlauben, die horizontalen Binnen- und Bindungskräfte von Bewegtbildern zu beleuchten, namentlich deren Fähigkeit, mediale Zeitformen sui generis hervorzutreiben. Die Leiter des Teilprojekts sind Prof. Dr. Lorenz Engell (Bauhaus-Universität Weimar, Internationales Kolleg für Kulturtechnikforschung und Medienphilosophie) und Prof. Dr. Christiane Voss (Bauhaus-Universität Weimar, Fakultät Medien, Professur Philosophie audiovisueller Medien).

 

PROGRAMM:
»Die Relevanz der Irrelevanz oder: Heterarchische Ordnungen der Mimesis«
Festsaal im Goethe-Nationalmuseum, Frauenplan 1, 99423 Weimar

DONNERSTAG, 23.03.2017

13:30 Christiane Voss/Lorenz Engell
Begrüßung und Einführung

14:00 Lecture I
Emmanuel Alloa, Universität St. Gallen
Das Unscheinbare und das Unbedeutende. Zur Relevanz des Übersehenen

15:00 Lecture II
Hannes Rickli, Zürcher Hochschule der Künste
Kunst und Biologie: Irrelevante Operationen an zwei Beispielen

16:00 Pause

16:30 Lecture III

Daniel Martin Feige, Akademie der Bildenden Künste Stuttgart
Retroaktive Neuverhandlung. Zur Relevanz und Kontingenz in den Künsten anhand des Paradigmas musikalischer Improvisation

17:30 Lecture IV
Isabell Otto, Universität Konstanz
Throwback Thursday. Zur Ir-/Relevanz des Vergangenen in Sozialen Netzwerken

19:00 Abendessen


FREITAG, 24.03.2017

10:00 Lecture I
Gertrud Koch, Freie Universität Berlin
Doppeltes Spiel – Mimikry und Mimesis als perspektivische Strategie

11:00 Lecture II
Vinzenz Hediger, Goethe-Universität Frankfurt
Das unsichtbare Huhn

12:00 Mittagspause

14:00 Lecture III
Christiane Voss, Bauhaus-Universität Weimar
Zur Relevanz der Irrelevanz des McGuffins

15:00 Lecture IV
Patrick Rupert-Kruse, Fachhochschule Kiel
Das Kino der Zukunft? Immersive mediale Räume zwischen Simulation und Illusion

16:00 Pause

16:30 Lecture V
Marie-Luise Angerer, Universität Potsdam
Mimetische Wiederholungen oder vom Riß in der Wand –
Tom McCarthy & Omer Fast: Remainder

17:30 Lecture VI
Vincent Fröhlich, Philipps Universität Marburg
Serielle Off-Time und zeitliche Schizophrenie. Die Relevanz nicht-erzählter Zeit in seriellen Werken

19:00 Conference Dinner


SAMSTAG, 25.03.2017

10:30 Lecture I
Lorenz Engell, Bauhaus-Universität Weimar/IKKM
Ir/relevant werden? Ereignis und Serie im Fernsehen und überhaupt

11:30 Lecture II
Ulrich Richtmeyer, Universität Potsdam
Wittgensteins Verzeichnungen – Zur Variabilität des Mimetischen im Modus des Nachzeichnens

12:30 Pause

13:00 Lecture III
Lisa Åkervall, Trinity College Dublin  
Mimeis-en-abyme: Postkinematographische Imitation

14:00 Schlussbemerkungen