Therapie! Das alte Klinikareal: ein neuer Stadtbaustein für Jena
Stadträume beeinflussen das körperliche und psychische Wohlbefinden ihrer Bewohner:innen in hohem Maße. Dabei sind es nicht allein bauliche Dichten, funktionale Zuordnungen oder architektonische Typologien, die über die Qualität eines Ortes entscheiden. Vielmehr entsteht ein qualitätsvoller Stadtraum durch das Zusammenspiel von räumlicher Struktur, sozialer Interaktion, Freiraumgestaltung und atmosphärischer Differenzierung. In diesem Spannungsfeld verstehen wir Therapie, als städtebauliches Prinzip: als bewusste Gestaltung von räumlichen Gefügen, die Aufenthaltsqualität, soziale Nähe, Bewegungsmöglichkeiten und ökologisch nachhaltige Nachbarschaften fördern.
Im Mittelpunkt steht das ehemalige Klinikareal an der Bachstraße in Jena: ein zentral gelegenes Gebiet mit großem Transformationspotenzial. Über Jahrzehnte monofunktional genutzt und weitgehend vom umliegenden Stadtraum abgegrenzt, eröffnet sich hier die Möglichkeit, einen bedeutenden innerstädtischen Raum neu zu interpretieren. Die Lage in unmittelbarer Nähe zur Innenstadt und zu bestehenden Wohnquartieren macht das Areal zu einem strategischen Baustein für die zukünftige Stadtentwicklung Jenas. Derzeit prägen großmaßstäbliche Gebäudestrukturen, versiegelte Flächen und funktionale Barrieren das Gebiet. Gleichzeitig birgt es räumliche Ressourcen: vorhandene Bausubstanz, gewachsene Grünstrukturen und vielfältige Anschlussmöglichkeiten an angrenzende Quartiere. Wie kann aus diesem ehemals geschlossenen Funktionsareal ein offenes, durchmischtes und qualitätsvolles Stadtquartier entstehen? Welche Rolle spielen ergänzende Typologien, Freiräume und gemeischaftliche Nutzungen für einen gesundheitsfördernden Alltag?
Im Rahmen der Entwurfsaufgabe soll untersucht werden, wie neue städtebauliche Strukturen Wohnen, Arbeiten und öffentliche Nutzungen in ein ausgewogenes Verhältnis setzen können. Wie können unterschiedliche Lebensmodelle integriert und neue Formen des Zusammenlebens unterstützt werden? Es soll ein Quartier entworfen werden, das urbane Dichte mit Freiraumqualitäten verbindet, vorhandene Strukturen ergänzt und einen lebendigen, resilienten Stadtraum für Jena ermöglicht.
Bemerkung
Die Professur Stadt Raum Entwerfen beteiligt sich an der Einführung in das städtebauliche Entwerfen. Im 4. Kernmodul bieten wir dazu in diesem Semester eine Entwurfsaufgabe in Jena an. Der Städtebauliche Entwurf setzt auf eine lokal verortete Aufgabenstellung in Kombination mit ausgewählten aktuellen, für das Zusammenleben kritischen, Parametern (bspw. Typologien, Biodiversität, , Gesundheit, Routinen, Inklusion, Sharing-Modelle im Wohnen und Arbeiten, Umgang mit der Vergangenheit, neue und alte Mobilitässyteme). Bachelor Studierende aus Architektur und Urbanistik werden in diesem Semester in gemischten (3er) Teams an dieser Aufgabe arbeiten. Wir werden uns beschäftigen mit: konzeptuellem Entwickeln von nachhaltigen, kontextbezogenen stadträumlichen Visionen; Analyse, Beobachtung und Auswertung bestehender Strukturen und Benutzungsmuster; dem Weiterbauen am bestehenden Gefüge, sowie dem Entwerfen neuer räumlicher Qualitäten auf Quartiersmaßstab und von Einzelsituationen; mit der für den Städtebau wichtigen Erdgeschosszone (M1:500) und dem unerlässlichen Bezug zum Kontext (M1:1000, M1:5000) der Stadt Jena. Wir werden arbeiten mit: Stadterkundung, Mapping, Modellbau, Übungen zu Maßen und Formaten und der Darstellung von Raumqualitäten. Die wöchentlichen Betreuungen werden ergänzt durch thematische Inputs zu den oben genannten Aspekten.
KickOff: Dienstag, 07.04.26, 13:00 Uhr, Ort Hauptgebäude R203
Workshop: in Weimar und Jena von Montag, 20.04. 13 Uhr bis Mittwoch, 22.04. 18 Uhr
Schlusspräsentation: 07.07.26, ganztägig