Profil

Raumplanung & Raumforschung

[work in progress]

Unsere Professur verknüpft die in Wechselwirkung stehenden gesellschaftlichen Aufgaben von Raumplanung und Raumforschung. Sie trägt so in mehrfacher Hinsicht zu einem integrierten Verständnis von Raum und Ort, Planung und Forschung, Gesellschaft und Politik, Ebenen und Umwelten, Transformation und Wissenschaft bei.

Wir verstehen RAUMPLANUNG als den politischen Prozess, auf die Transformation von natürlicher und gebauter Umwelt sowie menschlichen Gesellschaften steuernd und zielgerichtet Einfluss zu nehmen. Ihr obliegt die (Mit-)Verantwortung sowohl für die zum Beispiel herrschaftliche, technokratische, agonistische, deliberative, oder aktivistische Prozessgestaltung als auch ihre etwa sozial- und umweltgerechten oder extraktivistischen und exkludierenden Steuerungsergebnisse. Die Perspektive einer historisch gewachsenen Staatszentrierung erweitern wir gezielt durch die Betrachtung zivilgesellschaftlicher und unternehmerischer Formen der Raumplanung. Normativ fragen wir danach, wie die oftmals als Herrschaftsinstrument genutzte räumliche Planung in einer reifen Demokratie wirksam werden und deren Emanzipationsversprechen in Planungsprozess und -inhalten einlösen kann.
 
Dem politischen Prozess inhärent ist die Erhebung, Analyse und diskursive Bewertung von Wissen über den (Planungs-)Raum. Dies schließt auch das Wissen über Konstruktionsprozesse, (Re-)Produktion und Produktionsbedingungen von Räumen mit ein. Raumplanung beinhaltet insofern immer einen Anteil RAUMFORSCHUNG. Umgekehrt ist auch die forschende Perspektive auf räumliche Zusammenhänge nie vollständig frei von normativen Vorstellungen einer zukünftigen Raumnutzung, -gestaltung und -entwicklung. Wir hinterfragen insofern, mit welchen qualitativen und quantitativen Methoden Raumforschung etwa die ökologische Krise, soziale Ungerechtigkeiten und Demokratiedefizite angemessen adressieren kann. 
 
Dieser Komplizität liegt auch ein relationaler Begriff von RAUM zugrunde, der nicht nur soziale und physische sowie normative und handlungsorientierte Aspekte vereint, sondern in zeitlicher Hinsicht Räume stets auch in ihrer historischen Dimension einbezieht und Historizität als Anknüpfungspunkt für visionäre bis dystopische Zukünfte in Plänen und Prognosen begreift. Der politische Prozess der Raumplanung findet auf allen Ebenen vom Quartier über Stadt/Ort und Region bis zu supranationalen Plänen und Programmen statt. 

In der LEHRE erwächst aus diesem Verständnis die Verantwortung, den Studierenden als (potenziell) zukünftig Planenden zu ermöglichen, eine Haltung zu ihrer Verantwortlichkeit bei der (Re-)Produktion, Gestaltung, Aushandlung und Analyse von Räumen sowie die kritisch-reflektierte Anwendung von Instrumenten und Methoden zu vermitteln. Aus einem vertieften, theoretischen, empirischen und analytischen Verständnis von strukturellen und politische Bedingtheiten möchten wir die Studierenden die Handlungsfähigkeit zur konkreten Utopie, räumlichen Konkretisierung, Prozessgestaltung und wissenschaftlichem Erkenntnisgewinn vermitteln. Lehrveranstaltungen sind für uns vor allem Lernveranstaltungen: Sie sind ausgerichtet auf die individuellen Wissens- und Erfahrungszuwächse der Studierenden und binden diese aktiv ein. Zur Ergänzung der übrigen Lehrangebote fokussieren wir insbesondere auf die überlokale räumliche Planung  
 
Unsere FORSCHUNG ist sowohl grundlagenorientiert als auch anwendungsbezogen-transformativ, ist empirisch, kritisch-hinterfragend, sowie reflexiv angelegt und nutzt sowohl qualitative als auch quantitative, partizipative und performative Methoden. Sie untersucht räumliche Planung in ihrem politischen, gesellschaftlichen und historischen Kontext und Möglichkeiten sowie ihrer Kooperation und Konkurrenz mit anderen Formen der räumlichen Politik und Raumproduktion. Dieses Forschungsinteresse konkretisiert sich in zwei miteinander in Wechselwirkung stehenden aktuellen Themenfeldern. Zum einen steht die Transformation der Raumplanung in einer multiplen, sich weiterentwickelnden Demokratie, zum anderen die Analyse und planerischen Antworten auf die ökologische Krise der Gegenwart im Fokus.