Geocaching als Methode
Basierend auf dem Prinzip des Geocaching – via GPS werden Standpunkte über Koordinaten angegeben und so für andere aufsuchbar – werden Gärten und Parks als gemeinsame Denkräume aktiviert, in die Studierende über Besuche in unterschiedlichen Konstellationen asynchrone Impulse einbringen. Apps wie Padlet, Mentimeter oder Google Maps ermöglichen, dazu gruppenspezifischen Karten zu generieren, die es standortgetreu erlauben, Videoimpulse, Tonspuren oder Fotos via Smartphone zu kartieren und sie so für Kommiliton*innen zu einem späteren Zeitpunkt aufsuchbar zu halten. In einem ersten Schritt werden durch Lehrende Gärten und Parks (Ortsauswauhl beliebig zu verändern) festgelegt und als aufzusuchende Orte in gemeinsame Karten eingetragen. Zentral ist dabei, dass Lehrende sich nicht aus dem Spiel nehmen, sondern über Videobotschaften den Seminardiskurs vor Ort selber anzustoßen [sic!]. Neben einer Plausibilität der didaktischen Choreografie können diese Auftaktimpulse in Performanz, Rhetorik und Bildrhetorik polyvalente Zugänge eröffnen und vielversionale Auseinandersetzungen am Ort triggern. Studierende reagieren in folgenden Besuchen auf Raum und Impulse, erproben wahrnehmungsbasierte Erschließungsstrategien, um dann ihre Erfahrungen für den gemeinsamen Diskurs zu verbalisieren oder auch zu visualisieren. Inhalte, Zugänge und Erkenntnisse werden anschlussfähig gedacht und aufbereitet. Weitergehende Fragen und Aufforderungen werden platziert. Während folgender Besuche können Studierende die Standorte ihrer Kommiliton*innen über die GPS-Daten einnehmen, können Perspektiven ergänzen, variieren oder kontrastieren. Mehr noch lassen sich die Impulse über die Kommentarfunktion der Apps durch Literaturhinweise, Fotos, Links etc. kontextualisieren und erweitern. Die didaktische Choreografie entwickelt über digitale Karten, Impulse und Kommentare im gemeinsamen Tun Diskursräume mit konkreten Stand- und Ankerpunkten in Kulturräumen wie bswp. Gärten. Dies bietet […] eine erste Orientierung in der Auseinandersetzung mit Raum als »relationale Anordnung von Lebewesen und sozialen Gütern« (Löw 2000_10: 160). Ganz im Sinne Pierre Bourdieu ist »der physische Raum […] als unbearbeitet und frei von sozialen Wahrnehmungsschemata nicht vorstellbar, sondern […] nur als stet schon angeeigneter Raum zu verstehen« (Schroer 2009: 134).[…]
Einem solchen Lehr-Lern-Setting ist eine selbstbestimmte Eigendynamik inne, die Lehrende - einmal angestoßen - zulassen können/müssen, um sie als Akteur*in, Moderator*in, Mediator*in oer Widerpart mitzugestalten und über eingebaute Reflexionsprozesse in Forschungsdiskurse vernetzen oder auch auf gesellschaftliche, politische oder wissenschaftliche Grundsatzfragen rückführen zu können. Ziel ist dabei weniger quantitatives Wissen, als »Kompetenz [als] Verbidnung von Wissen, Haltung und Handlung sowie Metalernen« (Burow 2021: o. P.).
Quelle
Kreutchen, Christopher (2023): Geocaching als provokative Wissensorganisation. In: Marx Fritzsche (Hg.): Kunstpädagogik nach der Pandemie. Befunde und Spekulationen. München: Kopaed, S. 139-148, hier S. 142f.
