Da lag Presswitz schräg drinne
Audiowalk
DA LAG PRESSWITZ SCHRÄG DRINNE
SANDRA RÜCKER
Audiowalk, Stausee Hohenwarte, geflutetes Dorf Preßwitz, 2022https://www.podcast.de/episode/628747782/da-lag-presswitz-schraeg-drinne
Die fjordartige Landschaft des Hohenwarte Stausees ist für viele Thüringer das Naherholungsgebiet schlechthin. Wer die angestauten Schleifen der Saale heute genießt, ahnt kaum, dass der Bau der Talsperre einst 245 Menschen ihre Heimat kostete. 1938 packen die Bewohner*innen des größten der im Staubereich liegenden Dörfer – Preßwitz – ihre letzten Habseeligkeiten und suchen in der Umgebung ein neues Zuhause. Wer sind die Menschen, die das einsame Leben am Fluss in Mitten der NS-Zeit aufgeben? Was bedeutet die Umsiedlung für die folgenden Generationen der Umsiedlerfamilien? Welche Erinnerungen überdauern 85 Jahre?
Der Audiowalk „Da lag Preßwitz schräg drinne“ ist eine akustisch begleitete Fahrt in Ruderbooten auf der Suche nach dem versunkenen Dorf im Stausee Hohenwarte. Er führt sein Publikum zu den authentischen Koordinaten der Unterwasser-Wüstung. Angetrieben vom Mythos um den noch sichtbaren Kirchturm bei Niedrigwasser, gelangt mit jedem Ruderschlag in Vergessenheit Geratenes zurück an die Oberfläche: Die Szenen der Auflösung einer lebendigen Dorfkultur, ortstypische Traditionen und Bräuche und die militärischen Kriegsvorbereitungen durch die Wehrmacht in den Ruinen des Ortes werden wieder lebendig. Davon erzählen Stimmen der Nachfahren Preßwitzer Umsiedlerfamilien, die sich in einer Soundcollage zu einer fiktiven Dorfgemeinschaft wiedervereinigen. Die mündlich überlieferten Erzählungen ihrer Eltern und Großeltern konkurrieren mit vertonten Archivtexten und historischen Fakten um die versunkene Wahrheit des Dorfes.[...]
Gedanken, die die Arbeit von Sandra Rücker begleiten
Wann erinnern wir uns? Woran erinnern wir uns (nicht)? Womit erinnern wir uns?
Welche Bedeutung haben die Erlebnisse, Erfahrungen und Entscheidungen unserer Vorfahren für unsere Gegenwart?
Wie können wir an Ereignisse erinnern? Wie können wir Erinnerungen teilen, weitergeben und erhalten?
Wie können wir Wissen konservieren?[...]
Prozessimpulse
Was begegnet dir (wiederholt) in deinem Umfeld? Wovon möchtest du erzählen? Wie bist du damit verbunden?
Wo findest du Menschen, die du befragen kannst?
Wo findest du relevante Informationen?
Wie kannst du mit welchen Medien deine Geschichte erzählen?
Wie kannst du dazu Stimmen, Geräusche, Bilder sammeln?
Welche Aspekte oder Begebenheiten blieben bisher unbeachtet / vergessen / unterschätzt? Welche künstlerische Form findest du für das Erinnern?
Anmerkung der Redaktion: zu einer Übersicht zum Forschungsprozess siehe auch Grafik auf Seite 3 der Bildmappe
Quelle
Rücker, Sandra / Dreyer, Andrea / Bauhaus-Universität Weimar, Professur Kunst und ihre Didaktik (Hg.) (2024): Bildberührung. Künstlerische Strategien im ländlichen Raum. 1. Aufl., Zwickau: Spektrum Zwei/Pabst & Beyer GbR
