Von den Kunstbeispielen und Kontingenzexperimenten …

Unter den ersten Kunstbeispielen befanden sich mit 4'33" (1952) von John Cage, 10 days (1973) von Stuart Brisley, Rhythm 0 (1974) von Marina Abramovic, dem situationistischen Verfahren des dérive und Arbeiten von Tino Sehgal mehrere performative Settings: Anlagen, in denen gemäss unseren damaligen Notizen «KünstlerInnen [sich selbst oder andere; AS] auf unterschiedlich radikale Weise einer Situation aus[setzen], die zwar durch gewisse konzeptuelle Regeln strukturiert ist, in ihrem Verlauf aber unvorhersehbar ist.» Uns interessierte, dass das Unvorhersehbare oder Ungeplante hier gewissermassen ‹provoziert› wird, und zwar mittels mehr oder weniger expliziter Handlungsanweisungen. Diese Handlungsanweisungen richten sich an andere – z. B. als Anweisung an Aufführende von Cages Komposition, 4 Minuten und 33 Sekunden Stille zu halten – oder an sich selbst wie diejenige von Stuart Brisley, zehn Tage lang in einer Galerie am Tisch zu sitzen und zu fasten, während ein Spitzenkoch für ihn Mahlzeiten zubereitet, die die Besucher*innen an seiner Stelle essen. Und wir hielten fest, dass all diese Handlungsanweisungen, indem sie das Unvorhersehbare ansteuern, auch die Absicht verbindet, in bestimmter Weise Erwartungen zu durchkreuzen – seien es die eigenen, diejenigen des Publikums oder beide.

Anmerkung der Redaktion: Auf S. 68/69 sind mehrere Kunstbeispiele vom Forschungsteam zusammengestellt.

Quelle

Schürch, Anna (2019): Die score-story. Ein forschungsdidaktischer Projektbericht. In: Schürch, Anna / Willenbacher, Sascha: In die Schwebe versetzen, erschienen in der Gesamtpublikation Kalkül und Kontingenz. Kunstbasierte Untersuchungen im Kunst- und Theaterunterricht, hg. v. Anne Gruber / Anna Schürch / Sascha Willenbacher / Carmen Mörch / Mira Sack, München: kopaed. S. 63-96, hier S. 67ff.

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beigetragen am 03.04.2025