West Side Story
Das Arbeitsheft für Stadtentdecker
Vermessung - Das ist die Aufnahme aller Maße, die für die Erfassung eines Objektes erforderlich sind. »Die Vermessung des Raumes « ist aus wissenschaftlicher Sicht somit eine schier unlösbare Aufgabe, schon deshalb, weil die Definitionen von Raum sehr weit gefasst sind. Was aber, wenn man den Raum auf ein bestimmtes Gebiet eingrenzt? Was wenn man nicht versucht ihn wissenschaftlich, sondern unter Einsatz der Sinne zu »vermessen«?
An dieser Fragestellung knüpft das Prinzip des Mappings nach Klaus Peter Busse an. In »Vom Bild zum Ort: Mapping lernen« beschreibt er, wie man Räume auf eine ästhetische, erfahrungsbedingte Weise erleben kann. Dieses Konzept machten wir uns für unsere Projektarbeit zu Nutzen. Da Mapping an einen festen Ort gebunden ist, wählten wir ein Gebiet, das aus sozialer, architektonischer und stadtplanerischer Sicht Besonderheiten aufweist und somit beste Vorraussetzungen bietet - Weimar West. Ziel war es, durch eine Annäherung Wahrnehmungsgewohnheiten zu durchbrechen und neuartige Perspektiven auf die (gebaute) Umwelt zu ermöglichen. Das entstandene Arbeitsheft »West Side Story« bietet 4 Aufgabenbereiche, die eine mehrdimensionale Wahrnehmung initiieren sollen.
Die Aufgaben sind zum Teil so gestellt, dass aus unterschiedlichen Vorschlägen ausgewählt werden kann. So bleibt Raum für eigene Fragestellungen und Ideen,denn eine individuelle Auseinandersetzung soll nicht durch ein vorgegebenes Raster, sondern vielmehr durch freie und individuell angepasste Aufgabenformate veranlasst werden.
Die einzelnen Aufgabenbereiche sind so konzipiert, dass sich mit ihrer Bearbeitung die Intensität der Annährung steigert. Demnach dient die erste Übung - ein Spaziergang durch Weimar West - vorrangig einer anfänglichen Orientierung. Auf einem Stadtplan sind verschiedenfarbige Punkte eingetragen, die der Mapper nun auf einer eigens geplanten Route erkunden soll. Die Punkte markieren lediglich Orte und sind nicht miteinander verbunden. An den markierten Stellen gilt es, eine kleine Aufgaben zu erledigen.
In Teil zwei soll eine Sammlung angelegt werden. Es gibt Vorschläge für Kriterien, nach welchen gesammelt werden kann, aber auch ein eigenes Thema kann gewählt werden. Wichtig ist, dass sich der Mapper durch das Zusammenstellen der Sammlung intensiv mit seiner Umgebung befasst, denn um Dinge zu sammeln, muss man genau hinsehen. Anschließend werden die gesammelten Dinge untersucht, geordnet und archiviert. Wie bei jeder anderen Aufgabenstellungen legen wir auch hier Wert darauf, dass eigene Interessen und Fragestellungen berücksichtigt werden. Diese rücken auch in der darauf folgenden Übung in den Mittelpunkt. Ausgehend von Spaziergang und Sammlung soll nun eine eigene Frage oder ein eigenes Thema ermittelt werden, an dem der Mapper weiterarbeiten möchte.
Hierzu ist es wichtig, dass er bisher gewonnenen Erkenntnisse refl ektiert. Ist ein Schwerpunkt gelegt, soll anschließend recherchiert und Informationen wie zum Beispiel Bilder gesammelt werden.Abschließend ist es Aufgabe des Mappers die Ergebnisse aus allen Teilbereichen zusammenzutragen und eine Form zu fi nden, die den Lern- und Arbeitsprozess verdeutlicht sowie inhaltliche Bezüge herstellt. Als Plattform für Erfahrungsaustausch und Archivierung der Arbeiten wurde eine Website angelegt, die für die Teilnehmer frei zugänglich ist. Hier können die eigenen digitalisierten Ergebnisse online gestellt werden. Die Aufgaben beinhalten Formen des eigenverantwortlichen Lernens, fördern den Umgang mit unterschiedlichen Materialien und Arbeitsformen, hinterfragen Wahrnehmungsgewohnheiten und regen zu wissenschaftlichem wie ästhetischem Arbeiten an. Das Heft initiiert somit eine individuelle Vermessung des Raumes und eröffnet innovative Perspektiven.
Weiterführende Links und Literatur
• http://westsidestoryweimar.wordpress.com/
• Busse, K. P.: Vom Bild zum Ort – Mapping lernen, Books on Demand Verlag,
Norderstedt 2007
Quelle
Moritz, Janin / Riedl, Lucas / Schöller, Anna / Zaidi, Mimouna (2015): West Side Story. Das Arbeitsheft für Stadtentdecker, In: Dreyer, Andrea / Schöller, Anna (Hg.): Impulsgeber. Broschüre des BDK-Fachverbandes für Kunstpädagogik Landesverband Thüringen, Heft 1/2015, S. 12f.
