Mental Maps – Inhalte in neuen Relationen

»Since individuals posses multiple representations about different parts of the world, originating from numerous sources, each mental map varies in detail, perspective, and accuracy.« (da Vinha 2017: 78)

»Very simpel, a geographic mental map is a cognitive construct, which encloses an individual or about the geographic character of a particular place or places and their relationsship to other places or spatial phenomena.« (Staeheli 1966: 163) […]

In ihrem festgefahrenen Erzählfluss bei gleichzeitig steigender Dichte schaffen es etablierte Narrative nicht mehr, einer immer komplexer werdenden Welt gerecht zu werden. Die Forderung nach »shared narratives« (vgl. kartenbasierte Forschung von Passerini 2018 zu Fluchterfahrungen) als »eine neue Universal-Erzählung […], die die unterschiedlichsten Kontexte mit einbezieht und dennoch veränderlich bleibt« (Tokarczuk 2019: 51) wird immer lauter. Asychrone Denk- wie Diskursräume aus digitalen Karten und Impulsen öffnen Möglichkeitsräume, um solche Polygone am topografisch konkreten Ort anzustoßen, einzuüben und zu vernetzen. Imagination ist dabei ein zentraler Baustein, sodass »Wissensordnung zu einem gegebenen Zeitpunkt konkret vorstellbar wird« (Dünne 2009: 93). Weniger geht es um einen rezeptiven Zugriff auf weltweite Wissensbestände […], als um multiperspektive »content curation« (Moltze 2020: 196) im Spannungsverhältnis von topografisch konkreten Räumen und digitalen Möglichkeiteräumen. […]

Statt digitale Tools und Plattformen ausschließlich schulisch-institutionell zu sezieren, gilt es, sie als etablierte Diskursformen – Kommentar- und Verlinkungsfunktionen bzw. Strategien massenmedialier Selbstverortung via Bild, Video und Hashtag – anzuerkennen und zu stärken. Diese fluiden Formen verankern explizit künstlerische wie kulturelle Bildung in konkreten Alltagsrealitäten und macht sie anschlussfähig und im Hinblick auf »Konstruktion von Wirklichkeit« vielversional verhandelbar.

Partizipation ist das Kernanliegen von Geocaching als Methode zur bewussten Aktivierung von Mental Maps im Sinne proaktiver Wissensorganisation.

»Das Internet ist eine der Kuratierung grundsätzlich bedürftigen Sphäre, sie verlangt nach über Alltagserfahrung hinausgehende Expertise, die ihrerseits von Erfahrungen in der digitalen Welt profitieren kann.« (Notze 202: 197)

[…]

Vor dieser Folie übt das Geocaching Formen des Kuratierens von Kontaktzonen zwischen analogen und digitalen Räumen ein. Mehr noch erweitern die Aktionsradien und Zeiträume des dizidiert hybriden Formats institutionell definierte Möglichkeitsräume. Hinter diese oder alternative Sichtweisen auf institutionalle Rahmenbedingungen sollte Kunstpädagogik nicht mehr zurücktreten.

Quelle

Kreutchen, Christopher (2023): Geocaching als provokative Wissensorganisation. In: Marx Fritzsche (Hg.): Kunstpädagogik nach der Pandemie. Befunde und Spekulationen. München: Kopaed, S. 139-148, hier S. 144

Bild

graslicht

Schlagworte

Themen

Autorinnen / Autoren

Rubrik

beigetragen am 01.11.2024