Storytelling

Nach einer langen Zeit der Dichotomisierung von wissenschaftlichem und narrativem Wissen markierte der Narrative Turn in den Kultur- und Sozialwissenchaften in den vergangenen Jahren »eine (Wieder-)Entdeckung des Erzählens als Medium der Wissensgenerierung und des Wissenstransfers [...], die das Erzählen als eine fundamentale anthropologische Praxis und als eine notwendige Ergänzung der wissenschaftlichen Betrachtungsweise [...] rehabilitiert.« (Fahrenwald 2011: 142) Die Narrative Practice Hypothesis von Daniel D. Hutto betont, dass Erzählpraxis Menschen dazu befähigt, Handlungen vorherzusagen, zu erklären und damit ihrer Welt einen Sinn zu geben und sich in ihr zu orientieren. (Hutto 2007: 44)

Im Projekt »Monheims aufgelesene Zeichen: Lost & Found & Light« für die Kunstwerkstatt Turmstraße Monheim am Rhein haben der Mainzer Aktionskünstler Brandstifte und ich mit Bürgerinnen und Bürgern eine »Asphaltbibliotheque Monheim« aus gefundenen Zetteln errichtet und Geschichten gesammelt, erfunden, gezeichnet und collagiert. Die »Asphaltbibliotheque« ist eine konzeptuelle Sammlung von Fundzetteln, die Brandstifter seit 1998 im öffentlichen Raum aufliest. Die gefundenen Objekte sind nur nur Relikte einer Alltagskultur, sie lassen LEbenswelten verstehen und regen zum Erzhälen an. Im Rahmen des Projektes haben wir gemeinsam mit den Bewohner:innen eines Altenheims, mit Passant:innen in der Innenstadt und mit einer 7. Klasse zu ausgewählten Fundzetteln Geschichten erfunden, die die Schüler:innen und ich in Zeichnungen und Trickfilmen umgesetzt haben. Diese Ko-Produktionen kehrten anlässlich der Abschlusspräsentation als Projektionen und Collagen in den öffentlichen Raum der Stadt zurück. (Dicke/Brandstifter 2021)

Auch die Stop-Motion-Animationen im Projekt »Roots and Wings« waren angewiesen auf den roten Faden der Erzählung, so dass im Kunst- ebenso wie im Sprachunterricht Erzähltheorien und -muster und deren mediale Umsetzung zu erarbeiten und Erzählen als »Weitergabe von subjektiven Wissensformationen wie Handlungs- und Erfahrungswissen oder biographisches Wissen« (Fahrenwald 2011: 198) zu praktizieren ist.

Quelle

Dicke, Nikola (2023): Making, Gaming, Storytelling. Schüler:innenorientierung und Reflexivität in der schulischen Kunstpädagogik in und nach der Pandemie. In: Marc Fritzsche (Hg.): Kunstpädagogik nach der Pandemie. Befunde und Spekulationen. München: Kopaed, S. 193-202, hier S. 200

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beigetragen am 01.11.2024