Textilerbe re:paired.
Eine Auswahl an Übungen zur Einfühlung und Einführung in die Thematik einer vernetzten und vernetzenden Forschung am Textilen
Übergeordnetet Aufgabe: Bringe ein geerbtes Textil, einen dich identifizierenden textilen Gegenstand sowie einen fast-textilen Gegenstand mit.
Buden bauen
Suche dir zwei Partner*innen. Verbaut eure Gegenstände, die ihr geerbt habt, zu einer
gemeinsamen temporären Installation! Baut mit eurem Erbmaterial ein gemeinsames Zuhause! Nutzt außer euren geerbten Textilien so wenig Zusatzmaterial wie möglich!
Leitfragen: Was leisten Textilien? (u.A. Schutzfunktion) Wann leisten Textilien Schutz?
Wann entsteht Raum? Wie erleben wir Raum? Wie können wir ihn verändern?
Was braucht eine Behausung? Ab wann ist ein Ort ein Zuhause? Was verbindet "Textilien" und "Erbe"?
Phasenziele: unvermittelter, direkter, spontaner Einstieg ins praktische Arbeiten (Erkenntnisgewinn im Handeln); Kennenlernen und Annähern an textiles Material und andere Personen; Reflexion der Verbindung zwischen Textil und Mensch / Textil als Schutzfunktion; Ausweitung desTextil-Begriff über Mode hinaus
Stille Transformation
Wähle den fast-textilen Gegenstand einer anderen Person! Nutze das dir zur Verfügung stehende Material um den fast-textilien Gegenstand zu einem textilen Gegenstand zu transformieren!
Leitfragen: Welche Eigenschaften hat etwas, das wir "Textil" nennen? Welche Funktionen übernehmen (welche) Textilien? Inwiefern ist der Begriff der Transformation im Zusammenhang mit Textilien so bedeutsam?
Phasenziele: Ausloten dessen, was "textil" bedeutet - sowohl auf einer materiellen und handwerklichen Ebene als auch auf einer sprachlich-diskursiven
Meine textile Identität
Sprich nach dem Kugellagerprinzip (Wechsel der Gesprächspartner*innen nach je einer Mintur) über deine Beziehung zu dem dich identifizierenden Gegenstand.
Leitfragen: Welche Bedeutungen schreibst du ihm zu? Welche Verbindungen stellt du her? Welche Assoziationen kommen auf?
Phasenziel: Erprobung und Weiterentwicklung erzählerischer und rhetorischer Fähigkeiten; Reflektieren der persönlichen Beziehungen zu textilen Materialien
lost in translation
Im Deutschen gibt es einige Metaphern und Redewendungen, die dem Textilbereich entlehnt sind. Viele Redensarten zeugen davon, dass Menschen um die Eigenschaften von textilen Materialien und Bestandteilen wissen, sowie um die Notwendigkeit von Textilen zum
Überleben.
Suche dir zwei Partner*innen, mit denen du noch nicht gearbeitet hast.
Zieht gemeinsam eine Redewendung und haltet sie geheim. Recherchiert ggf. zur Herkunft und Bedeutung des Sprichwortes.
Entwickelt gemeinsam eine temporäre Performance, in welcher ihr die Redewendung pantomimisch darstellt. Nutzt außer eurem Körper so wenig Zusatzmaterial wie möglich.
Anhand eurer Performance müssen die anderen das Sprichwort erraten.
Phasenziel: Verbindung zwischen Materialien und ihren Eigenschaften sowie non-verbalen Handlungen zu Worten und sprachlichen Handlungen wird deutlich; Wert immaterieller Formate der Kunst wird erkannt; (next level: alternative Narrative werden durch nonverbale Kommunikation erprobt)
Leitfragen: Warum sind wir eigentlich in den meisten Fällen nicht lost in translation, wenn es um das Verstehen von Sprichwörtern/Redewendungen geht? Welche Beziehung zwischen Textilien und Gender (Transportiert durch Sprache) wird sichtbar, und wann und wie wird diese unsichtbar (gemacht)?
Quelle
aus der Verbindung eines Seminars und Projektes mit dem Hybrid-Titel Textilerbe re:paired im Sommer-Semester 2023 an der Bauhaus-Universität Weimar, Fakultät Kunst und Gestaltung, Professur Kunst und ihre Didaktik, Dozentinnen: Sandra Rücker und Elisa Rufenach-Ruthenberg
