Die „Trenn- und Mischkunst“ bei Dieter Roth und Arnulf Rainer
Dieter Roth vollzog mit seinem Künstlerfreund Arnulf Rainer zwei Formate, die als dialogisches Zeichnen aufgefasst werden können: die Mischkunst und die Trennkunst. Bei der Mischkunst agieren beide Künstler auf demselben Bildträger, indem sie dem anderen Akteur durch ihre eigene Zeichnung eine Antwort auf das zuvor Entstandene geben (Abbildung 1). Dabei entsteht eine Vielfalt an Spuren, die ständig vom anderen Akteur mit- und umgestaltet wird. Das Bild verändert sich fortlaufend, sodass eine eindeutige Zuordnung der einzelnen Striche oft nicht mehr möglich ist. Bei der Trennkunst arbeiten beide ebenfalls auf demselben Bildträger, jedoch mit einer klar definierten Trenn-Linie (Abbildung 2). Jeder Künstler erhält eine eigene Hälfte auf dem Bild, die nicht überschritten werden darf. Falls dies doch geschieht, wurde in manchen Fällen eine symbolische „Strafe“ festgelegt. Für die Gestaltung bringen beide Künstler ihre eigenen Techniken mit: Rainer vollzog eine impulsive Überzeichnung, während Roth aus der grafischen Zeichnung heraus agierte.
Abbildung: Dieter Roth / Arnulf Rainer, Allein zu Zweit: Misch- und Trennkunst, 1975, Farbkreide auf Fotopapier, 61 x 50,5 cm, Dieter Roth Foundation, Hamburg © Dieter Roth Estate, courtesy Hauser & Wirt
Quelle
aus dem Fundus an Unterrichtsentwürfen von Sandra Waldforst
