Warhol & Basquiat
Jean-Michel und Andy – sie gehörten unterschiedlichen Generationen an und kamen aus unterschiedlichen sozio-kulturellen Milieus. Ihre Malweise war gänzlich verschieden und ebenso ihre Ästhetik. Sie waren unterschiedlichen Alters und in ihrer Entwicklung unterschiedlich weit. […]
Und doch finden sie irgendwie eine gemeinsame Basis für ihre gut funktionierende Partnerschaft. In ihrer Art ergänzten sie einander. […] Sie respektierten einander. […] Die Wertschätzung füreinander war mehr als nur eine Verständigung über ästhetische Fragen. Sie waren beide fasziniert von dem Schneckenhaus, in dem sich jeder von ihnen versteckte. Das Geheimnis Warhol fühlte sich herausgefordert vom Verwirrspiel Basquiat. Die „Imagos“, die sie von sich entwarfen, waren kraftvoll und kompromißlos, sie selbst im Grunde bescheiden und verletzlich, doch beide mit Humor begabt. Sie verstanden sich, weil sie einander erkannt hatten.
Einer erfolgreichen Arbeitsbeziehung liegt fast immer eine geglückte private Beziehung zu Grunde. […]
Die gemeinsame Erforschung der Leinwand – à quatre mains – hinterließ auch sichtbare Spuren in Jean-Michels neuen Bildern. Mit größeren Leinwänden ging er mit gestärktem Selbstbewußtsein um, und die Ikonographie seiner Bilder wurde reicher. Viele Leute glauben, daß Jean der einzige Grund für die Rückkehr Andys zur Malerei war. Beide profitierten immens von dieser gemeinsamen Arbeit.
Quelle
Keith Haring (1990): Warhol & Basquiat. In: Kunstforum International Bd. 107, Titel: Künstlerpaare II, S. 179 - 182
