Dialogisches Zeichnen
Wir leben in einer Kultur, in der körperliche Nähe sehr schnell hergestellt wird. Allerdings fühlt man sich dabei nicht immer wohl, oft sogar überwältigt. Physische und emotionale Nähe benötigen eine sichere Situation und einen geschützten Raum. Es gehört zum Lernen ab der Kindheit, bei der Begegnung mit anderen ein Gespür zu entwickeln, was einem selbst guttut, wo die eigenen Grenzen liegen, wann diese verletzt werden – und ebenso gilt es zu bemerken, wieviel Nähe anderen angenehm ist und ab welchem Punkt das Unwohlsein einer Person im Kontakt beginnt. Das dialogische Zeichnen ist eine in der Kunsttherapie entwickelte Methode, um Kontakterfahrungen bewusst zu erleben und zu steuern. Beide Partner*innen sitzen sich gegenüber an einem Tisch und beginnen sich zeichnend auf einem Blatt A1-Papier aufeinander zuzubewegen. Dabei sollten sich die Linien nicht kreuzen oder berühren. Bei aller Nähe gilt es einen Abstand einzuhalten, um die Grenze der anderen Person nicht zu verletzten. Im Blatt werden solche Grenzziehungen und -öffnungen zeichnend ausgehandelt.
Quelle
Kiep, Detlef (2019): Berühren ohne Berührung – Zeichnen als Kontaktmedium. In: Penzel, Joachim: Wir retten die Welt! Kunstpädagogik und Ökologie. Methodik, Curriculum, Unterrichtsverlauf. München: kopaed, S. 264f., hier S. 264
