Kunstunterricht als ästhetische Achtsamkeitspraxis. Anregungen für eine ganzheitliche Persönlichkeitsbildung
Mit Dissoziation wird in der Psychologie das Auseinanderfallen von Wahrnehmung, Empfindung, Körpergefühl und Motorik, Erinnerung, Wissen und kognitiven Operationen bezeichnet. Um es kurz zusammenzufassen: Aufgrund der historisch gewachsenen Organisationsstruktur (Fachdifferenzierung, 45-Minutentakt, Frontalunterricht, Sitzzwang, emotionaler und körperlicher Disziplinierung, Leistungsdruck etc.) gehört das aktuelle Schulsystem zu den fundamental krankmachenden Bedingungen der Gegenwartsgesellschaft. Eine echte Alternative bieten hier vor allem Bildungskonzepte, die versuchen, die dissoziativen, also ab- und aufspaltenden Praktiken zugunsten einer ganzheitlichen Persönlichkeitsentwicklung zu überwinden (Girg 2007; Michaelis 2012; für die Kunstpädagogik: Penzel 2019 b).
Da eine achtsamkeitsbasierte Bildung einen zentralen Beitrag zur ganzheitlichen Entwicklungsförderung leitestet, müssen die einzelnen Fächer mit ihren spezifischen Didaktiken zukünftig stärker reflektieren, wie achtsamkeitsedukative und fachspezifische Inhalte und Methoden miteinander verknüpft werden können. Die Kunstpädagogik verfügt über ein breites Repertoire an Gestaltungs- und Rezeptionspraktiken, mit denen indirekt der achtsame Umgang mit sich selbst, mit anderen Menschen sowie der natürlichen und sozialen Umwelt gefördert wird.
Quelle
Penzel, Joachim (2021): Kunstunterricht als ästhetische Achtsamkeitspraxis. Anregungen für eine ganzheitliche Persönlichkeitsbildung. In: KULTURELLE BILDUNG ONLINE: https://www.kubi-online.de/artikel/kunstunterricht-aesthetische-achtsamkeitspraxis-anregungen-ganzheitliche (letzter Zugriff am 16.07.2024)
