Schon unser Archiv durchstöbert? Nein? Dann wird es höchste Zeit!

Ausgabe 1: Anthropotechniken

»Was machen wir mit uns?« Beobachten, besprechen, beschreiben, bewerten, erziehen, ausbilden, operieren, heilen, testen, vervollkommnen, huldigen, in Ruhe lassen, (ver)kaufen, ausbeuten, ausstatten, schminken, bestrafen, züchten, einsperren, integrieren, kritisieren, disziplinieren, gruppieren, individualisieren, kategorisieren, motivieren …

Ausgabe 2: Pause

Eben noch schien die Sonne, kitzelte die Wangen und blendete die Displays. Wir schritten vorwärts, rannten fast. Auch ohne den ständig prüfenden Blick auf die Uhr versuchten wir, das Tempo beizubehalten. Doch dann fällt plötzlich der Regen. Unzählbare Wassertropfen zischen auf dem Asphalt und unseren hitzigen Köpfen. Bevor wir nasse Füße bekommen, halten wir an und stellen uns unter. In einem schmalen Bushaltehäuschen ist noch Platz. Dort warten wir …

Ausgabe 4: Übergang

Im prekären Moment, in dem das eine noch nicht ganz sein Ende gefunden und das andere noch nicht ganz angefangen hat, in dem etwas bloß dabei ist, aufzuhören und etwas anderes erst dabei ist, zu beginnen – in diesem unscharfen Intervall zwischen Noch und Schon, erstreckt sich der Übergang.

Ausgabe 5: Rauschen

Hitze flimmert auf dem Asphalt. Wolken ziehen vorüber. Wasser bricht an Gestein. – das Bild flackert. Die Welt verschwimmt im Moment des Vorüberziehens aller Ordnung zu einem wirren Bild. In der Ekstase der Zeit und dem Exzess des Raumes können wir dem Rauschen lauschen. Knisternd und rau, unscharf und diffus.

Ausgabe 6: Experiment

Das Experiment ist etwas, das es nicht nur zu untersuchen, sondern allererst aufzustellen gilt. Es ist gleichermaßen Theorie und Praxis, Kulturtechnik und Methode. Etwas, das Reaktionen, Wechselwirkungen oder Katalysatoren bedingt und hervorbringt. Ob im Labor sorgsam arrangiert oder im Vorübergehen ganz zufällig entstanden, der experimentelle Prozess ist einer, der stets im Entstehen begriffen ist und in seinem Verlauf Ergebnisse produziert.

Ausgabe 7: Das Kleine

Der Tropfen bringt das Fass zum Überlaufen. Elementarteilchen kreisen in riesigen Collidern. Der Whistleblower lenkt die Aufmerksamkeit der Weltöffentlichkeit. Ebola-Viren müssen mit globalen Schutzmaßnahmen bekämpft werden. Kleingedrucktes wird ahnungslosen Kunden zum Verhängnis. Und ohnehin steckt der Teufel im Detail!

Ausgabe 8: Chaos

Es stirbt und lebt. Struktur und Ordnung gehen vor die Hunde und letztlich braucht es niemand mehr. Anarchie? Nein. Einfach nur das reine Chaos.

Ausgabe 9: Korpus

Korpus. Ich steige aus der Dusche. Wassertropfen perlen an meiner von Gänsehaut überzogenen Haut ab und tropfen vereinzelt aus meinem nassen Haar, das mir am Rücken klebt. Ich greife zum Handtuch und mein Blick fällt in den Spiegel. Ich sehe mich, mich, in meinen Körper. Ein zugleich gewohnter und ungewohnter Anblick. War mein Gesicht schon immer so asymmetrisch, meine Arme so lang im Vergleich zum Rest meines Körpers? Ständig entdecke ich etwas Neues an mir- erkunde meinen Körper neu. Fällt das den anderen auch auf oder nur mir? Sehen sie mich anders, als ich mich selbst? Der Körper ist ein Ort stärkster subjektiver Wahrnehmung.