Die alte Gärtnerei in Hohenleuben (Thüringen) gehört zu den vielen leerstehenden Gebäuden im ländlichen Raum Ostdeutschlands - ein Erbe der postsozialistischen Transformation. Seit 2023 wird der Ort durch den Anbau von Spezialitätentee neu belebt. Dafür findet eine biologisch-permakulturelle Methode Anwendung, die an den Klimawandel angepasst ist.
Im Zentrum des Reaktivierungsprozesses stehen Fragen der Bodenqualität und -fruchtbarkeit sowie ein vertieftes Verständnis der Pflanzen selbst, mit dem Ziel, optimale Bedingungen für den Tee zu schaffen. Dieser dient als Ausgangspunkt für neue Wertschöpfungsketten und Formen des Zusammenlebens. Neben Anbau und Vertrieb von Qualitätstee werden langfristig auch bauliche Ziele für den Standort verfolgt: die Restaurierung einer Holzscheune, eines intakten Erd-Gewächshauses sowie die Instandsetzung der Überreste eines zweiten für die Teeproduktion. Die Restaurierung soll darüber hinaus zur sozialen Wiederbelebung des Ortes beitragen.
Da das Gelände seit Jahren brachliegt, hat es sich inzwischen zu einem Lebensraum für vielfältige Flora und Fauna entwickelt und wird heute von zahlreichen nicht-menschlichen Akteur*innen bewohnt. Diese Akteur*innen als Teil des räumlichen Kontexts und seiner Entwicklung ernst zu nehmen bedeutet, Planungs-, Gestaltungs- und Bauprozesse entsprechend anzupassen. Vor diesem Hintergrund und auf Grundlage des more-than-human-Konzepts erkundet der Kurs ko-kreative Entwicklungsperspektiven und fragt nach Formen der Ko-Existenz zwischen menschlichen und nicht-menschlichen Akteur*innen an der Gärtnerei in Hohenleuben:
Welche nicht-menschlichen Akteur*innen lassen sich vor Ort finden? Mit welchen Methoden und „Kommunikationsformen" lässt sich mit ihnen in Austausch treten? Welche neuen Perspektiven eröffnen sich, wenn wir den Ort als (zukünftige) Heimat für mehr als nur den Menschen denken? Was bedeutet das für den Umgang mit den ungenutzten baulichen Strukturen? Und wie lassen sich diese neu gewonnenen Perspektiven sichtbar machen und für Planungs- und Gestaltungsprozesse allgemein zugänglich machen?
Einblicke in den Standort sowie das nötige theoretische Rüstzeug werden über Online- und Vor-Ort-Vorlesungen vermittelt. Diese führen in das more-than-human-Konzept ein, beleuchten seine Relevanz für Architektur und Planung und zeigen, mit welchen Methoden es in Forschung und Praxis angewendet wird. Parallel dazu werden die Gärtnerei Hohenleuben, ihre Geschichte und ihr räumlicher Kontext in Vorbereitung auf die anschließende Vor-Ort-Analyse vorgestellt.
Theoretischer Input und Vor-Ort-Analyse bilden gemeinsam die Grundlage für eigenständige Arbeiten. Hier wird die kritische Auseinandersetzung mit Mensch-Nicht-Mensch-Beziehungen an der Gärtnerei in kreative, konzeptionelle oder gestalterische Arbeiten überführt.