Lernen von Fluxus

Inhaltlich und formal interessierten uns die scores aufgrund der dualen Struktur von Text und performativer Umsetzung sowie wegen der jeweils damit verbundenen Rollen von Autor*in und Interpret*in. Darin weisen sie eine Analogie auf zur ebenfalls dualen Strukturierung des Lehr-Lern-Verhältnisses sowie zu dem ihm innewohnenden Verhältnis von Kalkül und Kontingenz, bswp. in Form von Form von Geplantem und Ungeplantem. Es zeigte sich, dass die Differenz zwischen Skript und Umsetzung, wie sie acuh für Unterrichtssituationen typisch ist, bereits die Fluxus- und Konzept-Künstler*innen beschäftigte. Sie sahen darin die Möglihckeit, traditionelle KOnzepte von Autor*innenschaft ebenso in Frage zu stellen wie die überkommendnen Gattungen. […]

Der Reiz der scores scheint also gerade darin zu bestehen, die konstitutive Differenz - Dreher spricht von einer «unüberbrückbaren Differenz» (Dreher 1991:59) - zwischen Text und Umsetzung zu thematisieren, indem man sie steigert.

Die Betonung dieser Differenz zwischen Text und Umsstzung bedeutet auch eine Relativierung der Autor*innenposition und geht einher mit einer antiautoritären Haltung, die gemäss Dreher sehr bewusst war: «Bei Cage hatte die Offenheit der Aufführungsmöglichkeiten die Funktion, dem Autor jede Autorität gegenüber dem aufführenden Interpreten zu nehmen […]». (Dreher 191: 60) Die Schwächung der Autor*innenposition führt also im Gegenzug zu einer starken Interpret*innenposition, die nicht zuletzt verwandt ist mit der Figur der starken Leserin, des starken Lesers, wie sie das Textverständnis poststrukturalistischer Ansätze charakterisiert, beispielsweise das der Dekonstruktion ab Ende der 60er Jahre.

Quelle

Schürch, Anna (2019): Die score-story. Ein forschungsdidaktischer Projektnericht. In: Schürch, Anna / Willenbacher, Sascha: In die Schwebe versetzen, erschienen in der Gesamtpublikation Kalkül und Kontingenz. Kunstbasierte Untersuchungen im Kunst- und Theaterunterricht, hg. v. Anne Gruber / Anna Schürch / Sascha Willenbacher / Carmen Mörch / Mira Sack, München: kopaed. S. 63-96, hier S. 85

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beigetragen am 03.04.2025