Rennsteig Flimmern 1–3
Performative Wanderfilme
CHRISTOPH BLANKENBURG
RENNSTEIG FLIMMERN 1–3
performative Wanderfilme Rennsteig
2016–2023In seinen experimentellen Wanderfilmen „Rennsteig Flimmern 1–3“ begegnet Christoph Blankenburg einem Teil seiner Heimat und einem Teil seiner Identität – dem Thüringer Wald.
Fichten, Schutzhütten, Wegweiser, Wanderer, Schieferfassaden, Volkslieder, Autobahnbrücken, Brauchtum, Handwerk, Kreisverkehre, Gasthäuser – in Rennsteig Flimmern dokumentiert Christoph Blankenburg die stereotypen kulturellen Eigenheiten des Thüringer Waldes. Dafür verbindet er volkskundliche Feldfor- schung mit Performance. Seine künstlerische Exploration dokumentiert Blankenburg durch Videoaufnahmen. Sie trüben unsere gewohnte Vorstellung von einem Dokumentarfilm. Damit ermöglicht er den Zuschauenden ungewohnte Sichtweisen auf zunächst banal erscheinende Motive.
Im Zuge seines performativen Eingriffs in die Landschaft wird der Künstler selbst zur kulturellen Intervention und tritt ins Zentrum des Geschehens. Mit einer schwarzen Strumpfhose bekleidet unterwandert er durch oft nicht-intentionale Bewegungen gewohnte Verhaltensweisen am Rennsteig. Passant*innen reagieren irritiert. Blankenburg balanciert mit seiner Reihe „Rennsteig Flimmern“ entlang der Grenze zwischen Authentizität und Eingriff - zwischen unberührtem Ort und performativer Intervention.
Die Filmreihe Rennsteig Flimmern möchte einen kulturellen Zugang zum Thüringer Wald schaffen, aber auch gewohnte Sehweisen befragen. Nicht zuletzt laden die Arbeiten zum Abwandern des 170 km langen Kammweges ein: „Gut Runst!“. Der Thüringer Wald ist einer von vielen Orten, mit denen sich Christoph Blan- kenburg auseinandersetzt.[…]
Gedanken, die die Arbeit von Christoph Blankenburg begleiten
Wer lebt hier? Wie lebt man hier zusammen?
Wie verhalten sich Kulturraum und Naturraum zueinander?
Was ist meine Heimat? Was hat sie mit mir zu tun?
Wie kann ich Orte, Landschaften und Räume durch Bewegung erforschen?[…]
Prozessimpulse
Was in deinem Umfeld wirft Fragen auf?
Wie bist du damit verbunden?
Welche Handlungen begegnen dir? Warum werden sie hier durchgeführt?
Wie stehen die Handlungen im Verhältnis zum Alltäglichen?
Welche Bedeutung hat das Handeln?
Warum möchtest du diese Handlung hinterfragen?
Wo findest du Menschen, die du befragen kannst?
Wofindestdu elevanteInformationen?
Wozu möchtest du dich positionieren? Wen möchtest du damit erreichen?
Wie kannst du Handlungen hinterfragen? Wie kannst du andere zum Hinterfragen anstiften?
Wie kannst du Handlungen von ihrem Zweck ablösen, umkehren, verschieben, ironisieren, übertreiben, abschwächen, aus ihrem Kontext verschieben etc.?
Welche Handlung kann irritieren? An wen ist sie gerichtet? Worauf möchtest du aufmerksam machen?
Anmerkung der Redaktion: zu einer Übersicht zum Forschungsprozess siehe auch Grafik auf Seite 3 der Bildmappe
Quelle
Rücker, Sandra / Dreyer, Andrea / Bauhaus-Universität Weimar, Professur Kunst und ihre Didaktik (Hg.) (2024): Bildberührung. Künstlerische Strategien im ländlichen Raum. 1. Aufl., Zwickau: Spektrum Zwei/Pabst & Beyer GbR
