Im Transit des Untergrunds
Graffiti als informeller Bildungs(um)weg am Beispiel von Jean-Michel Basquiats Biografie
In der deutschsprachigen Fachdidaktik Kunst bietet sich das Spannungsverhältnis einer Subjektorientierung auf der einen und einer Kompetenzorientierung auf der anderen Seite nahezu als sich gegenseitig exkludierend dar (Vgl. Loffredo 2016a). So wird zwar in einem einführenden Werk in die Kunstpädagogik Biografieorientierung am Beispiel der ästhetischen Forschung nach Helga Kämpf-Jansen mit einem eigenen Kapitel bedacht (Vgl. Peez 2012: 76); jedoch in einem anderen Grundlagenwerk zu den ‚Konzeptionen der Kunstdidaktik‘ gar nicht erst erwähnt (Vgl. Bering & Bering 2011). Die folgende Frage ist daher berechtigt: „Künstlerische Bildung, Bild- oder Biografieorientierung, oder ästhetische Forschung […]: Woran soll man sich heute halten?“ (Peez 2012: 79). Eine dogmatische Ausrichtung soll nicht im Zentrum der hier verfolgten systematischen Blickführung stehen, weil die Verschränkung von „Selbst und Welt“ (Zirfas 2011:13) das Kernstück für den – kunstpädagogischen – Bildungsbegriff in der Institution Schule bleibt, an den man sich vor dem Hintergrund verschiedener Theoriegebäude und wissenschaftlicher Zugänge nähert. Im Folgenden wird daher aus fachdidaktischer Sicht der Transit des Untergrunds am Beispiel der illegalen Bildnerei Graffiti beleuchtet. Graffiti stellt in mehreren Aspekten eine Transitzone für jugendliche Biografien dar. Die Verortung des Selbst ist selten ein geradliniger Prozess. Jugendliche Biografien werden von Brüchen charakterisiert. Die individuellen Entwicklungslinien schlagen in den interdependenten Einflüssen vom formalisierten und informellen Lernen unter Jugendlichen komplexe (Um-)Wege ein.
Quelle
Loffredo, Anna Maria: Im Transit des Untergrunds (2017). Graffiti als informeller Bildungs(um)weg am Beispiel von Jean-Michel Basquiats Biografie. In: Anna Maria Loffredo (Hg.): Transit Kunst/Universität. Grenzgänge fachdidaktischer Diskurse. München: kopaed, S. 67-103, hier S. 68
