Universitätsgeschichte
Epochen der Hochschule
1860-1919: Kunstschulen und Reform
Am 1. Oktober 1860 gründete Großherzog Carl Alexander die Großherzogliche Kunstschule, aus der die Weimarer Malerschule hervorging. Henry van de Veldes Kunstgewerbliches Seminar, der Weimarer Bildhauerschule und die Großherzogliche Kunstgewerbeschule erweiterten seit 1902 das Ausbildungsangebot. 1908 wurde die Kunstgewerbeschule offiziell eröffnet. 1910 erhielt die Kunstschule den Rang einer Hochschule für bildende Kunst.
1919-1930: Bauhaus und Nachfolge
Im April 1919 gründete Walter Gropius in Weimar das Staatliche Bauhaus. Es verband Kunst, Handwerk und Gestaltung in einem neuen Ausbildungskonzept. Im April 1925 setzte das Bauhaus seine Arbeit in Dessau fort. Bereits 1921 war in Weimar die Staatliche Hochschule für bildende Kunst neu gegründet worden. 1926 folgte unter Otto Bartning die Staatliche Hochschule für Handwerk und Baukunst mit der ersten regulären Architekturausbildung in Weimar.
1930-1945: Nationalsozialistische Umgestaltung
Mit der Regierungsbeteiligung der NSDAP in Thüringen wurde der Architekt und Rassenideologe Paul Schultze-Naumburg zum Direktor der Vereinigten Kunstlehranstalten in Weimar eingesetzt. Zahlreiche Lehrende wurden entlassen, moderne Positionen bekämpft und die Ausbildung an der nationalsozialistischen Blut-und-Boden-Ideologie ausgerichtet. Im Oktober 1930 wurden die Wandbilder Oskar Schlemmers übertüncht. 1942 erhielt die Einrichtung den Namen Staatliche Hochschule für Baukunst und bildende Künste. Ab Herbst 1944 ruhte die Ausbildung in der bildenden Kunst; die Baukunst wurde eingeschränkt fortgeführt.
1945 - 1954: Wiedereröffnung und Neuausrichtung
Nach dem Ende des Zweiten Weltkrieges nahm die Hochschule im Oktober 1946 unter Leitung von Hermann Henselmann den geregelten Betrieb wieder auf. Der Wiederaufbau und Architekturausbildung rückten in den Mittelpunkt. 1950 wurde die Einrichtung in Hochschule für Architektur umbenannt; 1951 wurde die Abteilung Bildende Künste aufgelöst. Seit 1954 trug sie den Namen Hochschule für Architektur und Bauwesen Weimar.
1954-1990: Hochschule für Architektur und Bauwesen
Die Hochschule für Architektur und Bauwesen Weimar entwickelte sich zu einer spezialisierten Ausbildungs- und Forschungseinrichtung des Bauwesens in der DDR. Ihr Fächerspektrum umfasste unter anderem Architektur, Bauingenieurwesen, Baustofftechnik, Gebietsplanung und Städtebau sowie Rechentechnik. Die Hochschulreform von 1968 und die politischen Rahmenbedingungen der DDR prägten ihre Strukturen, Forschung und Lehre.
1990-1996: Neuordnung
Nach 1990 begann eine umfassende inhaltliche, personelle und strukturelle Neuordnung. Die bisherigen Sektionen wurden in Fakultäten überführt. Zum Wintersemester 1993/1994 wurde die Fakultät Gestaltung gegründet, mit der die Hochschule wieder stärker an ihre künstlerischen Traditionen anknüpfte. Im Oktober 1995 beschloss das Konzil die Umbenennung in Bauhaus-Universität Weimar.
seit 1996: Bauhaus-Universität Weimar
Seit dem 17. Mai 1996 trägt die Hochschule den Namen Bauhaus-Universität Weimar. Der Name knüpft an das historische Bauhaus an, bezeichnet jedoch eine eigenständige Universität mit breitem fachlichen Profil. Im Herbst 1996 wurde die Fakultät Medien gegründet. Heute verbindet die Universität Architektur und Urbanistik, Bau und Umwelt, Kunst und Gestaltung sowie Medien. Das Archiv dokumentiert diese fortlaufende Entwicklung.
Überlieferung und Quellen
Die amtliche Überlieferung der Weimarer Kunst- und Hochschuleinrichtungen sowie des Staatlichen Bauhauses aus den Jahren 1860 bis 1945 wird überwiegend im Landesarchiv Thüringen - Hauptstaatsarchiv Weimar verwahrt. Das Archiv der Moderne bewahrt ergänzende Nachlässe, Pläne, Werke und weitere Sammlungsobjekte aus diesem Zeitraum. Wenn Sie den Aufbewahrungsort nicht sicher zuordnen können, unterstützen wir Sie bei der Recherche.
Die Übersicht basiert unter anderem auf Texten der Ausstellung “ZUR Bauhaus-Universität Weimar 1860-2010”, kuratiert von Dr. Christiane Wolf und Dr. Norbert Korrek. Sie wird im Zuge weiterer Erschließung und Forschung fortlaufend überprüft und ergänzt.