Artist-in-Residence-Konzept

Künstler_innen beziehen ein Atelier, um Kindern zu begegnen. Sie richten sich in diesem Atelier ein, um Kindern mit ihrer jeweiligen ästhetischen und künstlerischen Praxis kennenzulernen und aus dieser Begegnung Ideen für deren künstlerische Förderung zu entwickeln. Darüber hinaus kontextualisieren die Künstler_innen im Rahmen des genannten Konzeptes ihre künstlerische Erfahrung und Praxis im Feld Kind, Kunst und Bildung und erhalten im Idealfall Anregungen für die eigene Arbeit. Die Künstler_innen verlegen also nicht nur ihr Atelier und ihren künstlerischen Arbeitsalltag an einen anderen Ort, sondern gestalten diesen auf der Suche nach neuen Erfahrungen auch im Sinne eines künstlerischen Experiments. Nach Christoph Menke bedeutet zu experimentieren, »Konstellationen, Situationen, Arrangements herzustellen, in denen so dann etwas geschieht.« (Menke 2013: 83) Anders als das empirische Experiment ist das künstlerische Experiment dabei kein Hervorbringen nach eigenem Entwurf. (Vgl. a.a.O.: 89) Vielmehr setzt sich das künstlerische Experiment der »Ungesetzlichkeit der Einbildungskraft« (Ebd.) aus. In diesem Sinne kontextualisieren die Künstler_innen ihre Praxis und Erfahrung im Feld von Kind, Kunst und Bildung und gestalten das Atelier als einen Ort, der nicht nur ihre eigene künstlerische Praxis anregt und hervorbringt sondern insbesondere ihre Wahrnehmung (Wahrnehmung kann in diesem Zusammenhang auch als »Forschende Haltung« begriffen werden, die diese über gerichtete wie ungerichtete Beobachtungsweisen unterstützt, vgl. Winderlich 2009) und Imaginationsfähigkeit für die jeweilige ästhetische und künstlerische Praxis der Kinder sensibilisiert. Wenn wir mit John Dewey davon ausgehen, dass Künstler_innen »Liebhaber der noch nicht dagewesenen Erfahrung« (Dewey 1980: 167) sind, dann wäre vorstellbar, dass Künstler_innen in vorliegendem Zusammenhang bewegt werden von der Begegnung mit den Kindern und den entsprechend neuen Erfahrungen.

Quelle

Winderlich, Kirsten (Hg) (2016): Kunstdidaktik anders denken. In: Kirsten Winderlich (Hg.): grund_schule kunst bildung. band vier: artist-in-residence, Oberhausen: Athena, S. 118-129, hier S. 122

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beigetragen am 01.11.2024