Ästhetische Forschung mit Deepfake-Technologien

»Es gibt eine allgegenwärtige Erzählung von Technologie als das, was uns entmenschlicht […]. Wir positionieren uns im Kontrast dazu. Wir laufen nicht weg; wir laufen darauf zu, aber zu unseren Bedingungen.« (Seeber 2015: o. P.)

[…]

Ein Poor Image oder ein gefundenes Audio-/Videoschnipsel wird zum kreativen Katalysator, der experimentell mithilfe von Deepfake-Apps untersucht wird. Dabei wählen Schüler*innen oder Studierende Gestaltungsmittel und -material konzentriert für das ästhetisch-künstlerische Forschungsvorhaben im Kunstunterricht an Schule oder in der Lehre an Hochschule aus.

Der weiterführende Auftrag an die Lernenden lautet, eine eigene individuelle Bildwelt vom Schnipsel herleitend zu komponieren. Verfremdung durch Verlassen der Erzählspur soll die Fantasie anregen, etwas Neues, Anderes entstehen zu lassen. Mit einfach Apps wie Reface, DeepFaceLab, Wombo AI oder ZAO lassen sich mit geringem Aufwand qualitativ unterschiedliche KI-Bilder, -Clips oder -Memes erzeugen. […]

Im Kunstunterricht lassen sich anhand von Deepfakes schicht- oder stufenweise Wahrheiten über dahinterliegende menschliche Eigenschaften untersuchen. Ein experimenteller Umgang mit Deepfakes und Deepfake-Apps kann die künstlerisch-ästhetische Auseinandersetzung mit künstlerischen Strategien der Manipulation, Verrückung und Entschlüsselung sein. Anne Zimmermann arbeitet dezidiert das Potenzial von »Fake« als künstlerisch-praktische Strategie zur Konstruktion von veränderbaren Selbst- und Weltverhältnissen heraus, welches für den Kunstunterricht produktiv gemacht werden kann. (Zimmermann 2013) Im Sinn der ästhetichen Forschung nach Helga Kämp-Jansen lässt sich von der selbstkritischen Analyse über Recherche und Input eine konkrete gestaltungspraktische ästhetische Arbeit anbahnen.

Quelle

Winkler, Antje (2023): Experimente an der Cocktailbar. Über die Relevanz von Deepfake als Erweiterung des künstlerischen Denk- und Handlungsraums im Kunstunterricht nach der Pandemie. In: Marx Fritzsche (Hg.): Kunstpädagogik nach der Pandemie. Befunde und Spekulationen. München: Kopaed, S. 203-214, hier S. 210f.

Bild

Deepfake
Illustration: www.leitwerk.com, © bpb

Schlagworte

Themen

Autorinnen / Autoren

Rubrik

beigetragen am 01.11.2024