… über die 1qm-Forschung
Wenn auch kein Kunstbeispiel im bisher ausgeführten Sinn, ist die 1qm-Forschung doch zumindest eine künstlerische Versuchsanordnung. Entwickelt wurde sie von Claudia Hummel, die wir zur Durchführung eines Workshops mit uns als Forschungsteam zum Thema des Verhältnisses von Kalkül und Kontingenz angefragt hatten. In ihrer Versuchsanordnung wird nach bestimmten Vorgaben etwas zunächst Unbestimmtes untersucht. Das Forschungsteam, aufgeteilt ni drei Gruppen, erhielt den Auftrag, mit zwei Klappmetern je einen interessant erscheinenden Quadratmeter Erdoberfläche zu umgrenzen und daraufhin zu analysieren, was der Quadratmeter ales beinhaltet, sowie begründete Vermutungen darüber anzustellen, wie die Dinge miteinander und mit dem Aussen, der Welt, verbunden sind. Die Spekulationen wurden zum Teil dadurch angeregt, dass überlegt wurde, ob die Dinge natürlichen Ursprungs oder maschinell hergestellt waren, seit wann sie sich an diesem Ort befanden, auf welchen Wegen sie dorthin gelangt waren oder auf welche Zusammenhänge ihre Anwesenheit im ausgewählten Quadratmeter schliessen liess. In einem letzten Schritt stellten die Gruppen einander ihre Analysen und Interpretationen der drei untersuchten Quadratmeter vor.
Die im Anschluss an die Präsentation der verschiedenen Quadratmeter geführte Diskussion über die 1qm-Forschung widmete sich nur wenig den inhaltlichen Ergebnissen dieser ‹Weltuntersuchung› respektive den Erzählungen, die die Teilnehmenden aufgrund ihres expliziten und impliziten Wissens auf den Ebenen des Ökonomischen, des Ökologischen, des Sozialen, des Historischen etc. konstruiert hatten. Aufmerksamkeit gewann vielmehr der Begriff der Rahmung, mit dem ein entscheidendes formales Element des Settings benannt wurde. Es erregte Staunen, welches Potential einer vergleichsweise rigide strukturierten Situation innewohnt, in der durch Eingrenzung etwas beschreibbar wird, das man sonst so nicht beschreiben könnte, die dabei aber ergebnisoffen oder gar überfordernd bleibt.
Quelle
Schürch, Anna (2019): Die score-story. Ein forschungsdidaktischer Projektbericht. In: Schürch, Anna / Willenbacher, Sascha: In die Schwebe versetzen, erschienen in der Gesamtpublikation Kalkül und Kontingenz. Kunstbasierte Untersuchungen im Kunst- und Theaterunterricht, hg. v. Anne Gruber / Anna Schürch / Sascha Willenbacher / Carmen Mörch / Mira Sack, München: kopaed. S. 63-96, hier S. 71 f.
