Textilien im gobalen Kontext

In den 1970er Jahren nutzte die feministische Kunstkritik dezidiert die enge Verkettung von Textilem und Textuellem zur Reformierung des kunsthistorischen Wertekanons und seiner Sinngebungsprozesse. Noch in jüngster Zeit schrieben Elke Gaugele und Verena Kuni über die Neubesetzung von Handarbeit, der einst wirkmächtigen »Technologie patriarchaler Domestizierung« (Gaugele / Kuni 2008: 70), nicht ohne auch einen kurzen Rückblick auf die feministischen Diskussionen um Kunst und Handarbeit zu geben. Nadel und Faden avancieren heutzutage zu konkreten politischen Instrumenten der Neubestimmung von Subjektpositionen im Kontext des 3rd-Wave-Feminismus. Verbindet sich damit zusätzlich eine postkoloniale Perspektive, so gilt »[...] that texts derive many of their signifying components from textile traditions, and that because of colonialist expansions, both media have circulated across time and place, changing their meanings in the process and accumulating stories around, as well as within them.« (Sharrad / Collett 2004: VII)

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Textilien besitzen ein semantisches Potential wie kaum ein anderes Material aufgrund ihres alltäglichen Gebrauchs. Ihre historische Dimension verbindet Zeiten, Menschen und Erinnerungen. Sie vermitteln bestimmte Lebensumstände wie etwa die der Migration, Diaspora, des Traumas bzw. von Identitäten generell. Textiles Material formt einen Raum für vielfältige Analogiebildungen, wo Geschichten verwebt, Erfahrungen, aber auch zukünftige Visionen mitgeteilt werden können. Über die auch subversive Rolle des Internet – wenn etwa Markenzeichen kritisch verstrickt werden – informiert der Beitrag von Verena Kuni. Besonders spannend ist ihre Konfrontation des virtuellen Betätigungsraums von KünstlerInnen mit den globalen Produktions- und Handelsbedingungen von Textilien.

Quelle

Haehnel, Birgit (2011): Textilien im globalen Kontext. In: Birgit Haehnel (Hg.) / Marianne Koos: Stoffe weben Geschichte(n). Textile Grundmaterialien im transkulturellen Vergleich. FKW // Zeitschrift für Geschlechterforschung und visuelle Kultur, Heft 52, S. 6-16 ,hier S. 8, 14

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beigetragen am 01.11.2024