Qual der Wahl. Linien ziehen mit Wasserfarben als Trockenfutter

Eine Übung

Kunstlehrer*innen sollten ihre Schüler*innen nur das machen lassen, wofür sie Verantwortung übernehmen können. Und das muss nicht immer – wie Zaake sagt – ein »Menü« sein, »nahrhaftes Trockenfutter« reicht vollkommen aus (Zaake 2008, zitiert in Dreyer 2008c, 21). Von guter Qualität stillt dieses den Wissenshunger, füttert dieses die Neugier, ist von Interesse.

Qual der Wahl. Linien ziehen mit Wasserfarben als Trockenfutter – eine Übung
Ziehen Sie gleich dicke Linien.
Ziehen Sie dicke und dünne Linien:
- abnehmend von unten nach oben,
- willkürlich – mal dick mal dünn.
Ziehen Sie Linien mit gleichem Abstand.
Ziehen Sie Linien mit unregelmäßigen Abständen.
Ziehen Sie Linien so nah, dass die Fläche fast schwarz ist. Ziehen Sie nur eine Linie.
Ziehen Sie gerade, ungerade und geschwungene Linien. Ziehen Sie Linien von rechts nach links oder von oben nach unten.
Ziehen Sie Linien ›querfeldein‹.
Ziehen Sie Linien, die Flächen einschließen.
Ziehen Sie durchbrochene Linien
Stellen Sie zwei Linien dar, die sich treffen.
Stellen Sie zwei Linien dar, die sich berühren, umspielen … Und dann?

[Experimentiert man mit Wasserfarbe und Pinsel,] kann man wie ein ›Wissenschaftler‹ im methodisch durchgeführten Versuch material- und werkzeugerkundende Untersuchungen anstellen, den Fluss der Farbe, die Saugfähigkeit des Papiers, den Trocknungseffekt usw. notieren […]. [Aus dem Probieren lässt sich] eine systematische Studie, etwas Gezieltes und Kontrolliertes, machen. Nur wird es nicht lange dauern, bis man merkt, wie die Fantasie dem Material- und Werkzeugverhalten vorauszueilen beginnt, wie neugierige Wünsche in das Experiment deutend und ausgestaltend einzugreifen, vielleicht sich dagegenzustellen versuchen. Man will den Dialog der Hand und des Auges mit dem Material und dem Werkzeug auf andere Weise fortsetzen. Sei es, dass eine zufällig erzielte Wirkung auf dem Papier sich augenblicklich mit inhaltlicher Bedeutung anfüllt, sei es, dass man sich dabei ertappt, wie man den Pinsel bewusster führt, um seine Spur auszuformen, zu klären. So beginnt ein ausdrückliches Experimentieren, bei dem man sich an das erfahrene Verhalten des Materials und des Werkzeugs anlehnt und seinen Vorschlägen nachgeht oder bei dem man sich von provozierten Vorstellungen und ›Bildern‹ leiten lässt. An die Stelle von Distanziertheit tritt Beteiligtsein. (Selle 1988, 89)

Quelle

Marr, Stefanie (2023). Für KUNSTunterricht - Einführung in die Grundlagen der Kunstpädagogik. (3 Bände). Bielefeld: ATHENA bei wbv., Band 1, S. 129ff.

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beigetragen am 11.03.2025