Das F. A. Finger-Institut
Institutsdirektor
Prof. Dr.-Ing. Horst-Michael Ludwig
Institutsleiter
Prof. Dr.-Ing. habil. Jochen Stark
Mit großer Bestürzung haben wir erfahren, dass unser ehemaliger Institutsdirektor und Mentor Prof. Jochen Stark am 10.09.2025 verstorben ist.
Wir trauern um unseren sehr verehrten akademischen Lehrer, Förderer und Freund
Universitätsprofessor em. Dr.-Ing. habil. Prof. h. c. mult. Dr.-Ing. h. c. mult. Jochen Stark
- geboren am 24.10.1943 in Erlach (Vogtland)
- gestorben am 10.09.2025 in Bad Berka
Jochen Stark studierte an der Fakultät Baustoffingenieurwesen der Hochschule für Architektur und Bauwesen (HAB) Weimar. Eine sich anschließende Aspirantur führte ihn an das Mendelejew-Institut Moskau, wo er 1972 zum Dr.-Ing. über die Kinetik des Zementklinkerbrandes promovierte. Der „Zementchemie“ blieb er in seiner gesamten akademischen Laufbahn und auch darüber hinaus treu. Jochen Stark arbeitete bis zu seiner Berufung zum ordentlichen Professor für Baustoffkunde an der HAB im Jahr 1990 am Weimarer Forschungsinstitut des Zementanlagenbau Dessau. Dort habilitierte er sich 1988 mit dem Thema „Zur Entwicklung des hydraulisch aktiven Belit-Zementes“. Das von ihm 1995 gegründete F. A. Finger-Institut für Baustoffkunde (FIB) leitete er mit Stringenz und feinem Vogtländischen Humor bis zu seiner Emeritierung im Jahr 2009.
Jochen Stark war ein international hoch anerkannter Wissenschaftler und für seine engagierte, motivierende Lehre bei den Studierenden ein sehr beliebter Hochschullehrer. Zugleich hat er es verstanden, mit der Industrie und der Baupraxis Verbindung zu halten, so dass die Forschungsergebnisse den wichtigen Weg in die Anwendung gefunden haben.
Mehr als 500 Veröffentlichungen und unzählige Vorträge zeugen von seiner wissenschaftlichen Kreativität ebenso wie die mit seinem Freund Bernd Wicht veröffentlichten zwei Lehrbücher, von denen die „Dauerhaftigkeit von Beton“ ins Japanische, Russische und Ukrainische übersetzt wurden. Seine hohe wissenschaftliche Reputation fand ihren Ausdruck sowohl in den Ehrenprofessuren der Universitäten von Kiew, Taschkent, Wuhan und Shanghai als auch in den Ehrendoktorwürden der Universitäten von Duisburg-Essen und St. Petersburg. Jochen Stark erhielt 2004 die Akademiemitgliedschaft in der Technikwissenschaftlichen Klasse der Sächsischen Akademie der Wissenschaften zu Leipzig.
Jochen Stark hat zahlreiche studentische Abschlussarbeiten und mehr als 30 Dissertationen betreut. Insbesondere für seine Promovierenden war er ein motivierender, immer ansprechbarer Mentor.
Mit Jochen Stark verlieren wir einen herausragenden Wissenschaftler und Menschenfreund. In Trauer und voller Hochachtung verabschieden sich die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter sowie die Studierenden des FIB.
Unser Mitgefühl gilt insbesondere seiner Familie.
Stellvertretend für die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter des F. A. Finger-Instituts für Baustoffkunde der Bauhaus-Universität Weimar:
Univ.-Prof. Andrea Osburg
Jun.-Prof. Luise Göbel
Univ.-Prof. Horst-Michael Ludwig
Friedrich August Finger wurde am 29. April 1885 in Frankfurt/Main geboren. Er war eine der größten Persönlichkeiten, die die Baustoffkunde als Wissenschaft und als erforderliche Studienausbildung etabliert hat. F. A. Finger hat es durch sein damaliges Wirken erreicht, dass Weimar bis heute als Standort für erfolgreiche Baustoffforschung und -ausbildung weltweit bekannt ist.
Er ist der Namensgeber des 1995 von Herrn Prof. Dr.-Ing. habil. Jochen Stark gegründeten Baustoff-Instituts der Bauhaus-Universität Weimar. Das Wirken von F. A. Finger an der Fakultät für Baustoffkunde und Baustofftechnologie wurde von Jochen Stark und Bernd Wicht in diesem Dokument nachgezeichnet.
Lebenslauf
| 29.04.1885 | in Frankfurt/Main geboren |
| 1904-1912 | Studium des Bauingenieurwesens an den Technischen Hochschulen in Darmstadt und München |
| 1912 | Diplomexamen in Darmstadt |
| 1912-1925 | überwiegend Bauleiter beim Bau der Bagdadbahn |
| 1929-1940 | Fachschrift- und Schulungsleiter beim Deutschen Zementbau in Berlin |
| 1940 | Dozent für Statik und Ingenieurbau an der Hochschule für Baukunst und bildende Künste in Weimar |
| 1944 | Berufung zum a.o. Professor für Baustoffkunde, Ingenieurbau und Statik in Weimar |
| Ende 1945 | Gründung und Leitung eines Institutes für Baustoffentwicklung in Weimar mit besonderer Förderung der Lehm- und Anhydritbauweise |
| 1946 | Einrichtung und Leitung einer Prüfdienststelle für Baustoffe in Weimar |
| 1946 | Berufung zum o. Professor für Baustoffkunde und Sondergebiete des Ingenieurbaues |
| 1950-1951 | kommissarischer Direktor der Hochschule für Architektur und Bauwesen (HAB) Weimar |
| 06.08.1953 | Gründung der Fakultät für Baustoffkunde und Baustofftechnologie |
| 1953-1958 | erster Dekan dieser Fakultät |
| 1958 | Ehrensenator der HAB Weimar und Promotion zum Dr.-Ing. ehrenhalber an der Fakultät Architektur |
| 06.07.1961 | Friedrich August Finger in Weimar verstorben |
Zur Bezugnahme in der Namensgebung auf F. A. Finger
von Prof. Jochen Stark, aus der FIB-Jahresmitteilung 1995.
Mit der Bezugnahme in der Namensgebung auf Friedrich August Finger (1885 - 1961), dem Nestor von Baustofforschung und -lehre in Weimar und Gründungsdekan der früheren Fakultät für Baustoffkunde und Baustofftechnologie an der HAB Weimar soll u.a. zum Ausdruck gebracht werden, dass sich das neue Institut der langen und erfolgreichen Tradition von Forschung und Lehre auf dem
Gebiet der Baustoffe in Weimar verpflichtet fühlt und diese auch fortsetzen wird.
Friedrich August Finger war am 1. November 1940 als Dozent in die damalige Hochschule für Baukunst in Weimar eingetreten und war für die baustoffkundliche Ausbildung der Architekten verantwortlich, wobei ab 1942 im Stundenplan des 1. und 2. Semesters wöchentlich 2 Stunden Baustoffkunde vorgesehen waren. Am 1. Dezember 1944 wurde F. A. Finger zum a.o. Professor für das Lehrgebiet Baustoffkunde und Ingenieurbau berufen.
Nach Beendigung des 2. Weltkrieges gab es schon bald Bestrebungen zur Wiedereröffnung der Hochschule und eine aktive Mitarbeit von Hochschulmitarbeitern beim Wiederaufbau des Landes Thüringen. F.A. Finger war dabei in herausragender Weise beteiligt. Im Oktober 1945 wurde an der damaligen Hochschule ein sogenanntes "Planungskollektiv Bauhaus" gegründet, in dem sämtliche ordentlichen und außerordentlichen Professoren der Hochschule für Baukunst "als die im Lande Thüringen vorhandenen Spitzenkönner ihrer Fachgebiete" zusammengeschlossen waren. Die Leitung der Forschungsgemeinschaften lag zunächst in den Händen von Hermann Henselmann und ab dem 1. September 1948 wurde sie von F.A. Finger wahrgenommen. Die unter der Leitung von F. A. Finger arbeitende Forschungsgemeinschaft Baustoffentwicklung erwies sich als eine der erfolgreichsten. Ihre Hauptaufgabe bestand in der Erschließung örtlicher Baustoffreserven. Dabei wurden Arbeiten zur Gewinnung, Herstellung und Verwendung vor allem von Lehm, Kalktuff (Magdala) und Anhydrit (Niedersachswerfen) durchgeführt. Ergebnisse waren u.a. ein Anhydritbinder (Putz des Nationaltheaters Weimar) und die Wiederaufnahme der Produktion von Sulfathüttenzement in Thüringen, der als Thurolit bekannt wurde.
Im Frühjahr 1946 gelang es F. A. Finger, den nach Thüringen (Steudnitz) ausgelagerten Maschinenpark des Labors der Deutschen Zementindustrie (Berlin-Karlhorst) zur Verfügung der Hochschule zu erhalten. Unmittelbare Nachfolgemstitutionen des ehemaligen Planungsverbandes sind die aus der AG Baustoffe hervorgegangenen, in Weimar innerhalb und außerhalb der Hochschule ansässigen Baustoff-Forschungstätten. Außerhalb der Hochschule war es insbesondere das am 1. April 1946 von F. A. Finger gegründete Institut für Baustoffentwicklung, aus dem am 1. Januar 1951 das von F. A. Finger bis 1955 als Direktor geleitete Institut für Baustoffe hervorging (heute MFPA).
Am 24. August 1946 wurde die Hochschule als "Staatliche Hochschule für Baukunst und Bildende Kunste". wiedereroffnet und im Oktober 1946 mit dem Studienbetrieb begonnen. F. A. Finger übernahm wieder die baustoffkundhche Ausbildung der Architekturstudenten, wurde im März 1947 zum ordentlichen Professor berufen und gründete den Lehrstuhl für Baustoffkunde, Ingenieurbau und Statik. Als Direktor stand F. A. Finger in den Jahren 1950 und 1951 kommissarisch an der Spitze der Hochschule.
Das erste Institut für Baustoffkunde an der HAB (1958 - 1970)
Im Herbst 1953 erteilte der Ministerrat der DDR F. A. Finger den Auftrag, an der Hochschule in Weimar eine neue Fakultät "Baustoffkunde und Baustofftechnologie" zu gründen. F. A. Finger hat diesen Auftrag als seine ureigenste Angelegenheit betrachtet und hat in seiner fünfjährigen Amtszeit als Dekan dieser in ihrer Art ersten und bisher einmaligen Fakultät die räumlichen, technischen und personellen Voraussetzungen für die notwendigen Lehrstühle und Institute geschaffen oder aber zumindest weitsichtig vorbereitet. So wurde bereits 1956 mit den technologischen Planungen für den Aufbau eines Institutes für Baustoffkunde an der neuen Fakultät begonnen. Im November 1957 war der erste Bauabschnitt des Neubaus für das zukünftige Institut fertiggestellt, Anfang 1960 der zweite Teil jenes Komplexes, der in einer Feierstunde am 10. Juli 1962, ein Jahr nach dem Tod F. A. Fingers, als "Fingerbau" benannt wurde und als solcher heute nicht nur in Weimarer Hochschulkreisen bekannt ist.
Die Gründung des ersten Institutes für Baustoffkunde an der Fakultät für Baustoffkunde und Baustofftechnologie erfolgte dann am 15. November 1958. Erster Leiter dieses Institutes war der Inhaber des Lehrstuhls für Keramik und Glas, Prof. Franz Schwarz (1902 - 1980).
Das damalige Institut umfaßte drei Lehrstühle, deren Lehr- und Forschungsgebiete wie folgt aufgeteilt waren:
Lehrstuhl für Baustoffkunde I:
Keramik, Glas, Email, Industrieanfallstoffe
Leiter. Prof. Franz Schwarz
Lehrstuhl für Baustoffkunde II:
Bindemittel, Beton, Baustoffprüfung, Baumetalle
Leiter: Doz. Rudolf Riedeberger (1899 -1961)
Lehrstuhl für Baustoffkunde III:
Bautenschutz, Sperr- und Dämmstoffe
blieb unbesetzt
Die Lehrstühle waren mit je einem Leiter und zwei Assistenten besetzt. Mit der Fertigstellung des "Fingerbaus" standen für die Studenten der Fakultäten Architektur, Bauingenieurwesen und Baustoffkunde 105 Arbeitsplätze für das Baustoffpraktikum und Diplomarbeiten zur Verfügung. Entsprechend den Aufgaben gliederte sich das Institut organisatorisch in acht Abteilungen:
- Beton
- Bindemittel
- Keramik und Glas
- Baumetalle und Werkstatt
- Chemisches Labor
- Feinstrukturuntersuchung
- Holz und Holzschutz
- Bautenschutz
Das Institut für Baustoffkunde entwickelte sich zum größten Institut der Hochschule, woran der als Betriebsleiter wirkende Dr. Werner Riedel einen großen Anteil hatte. In Verbindung mit der sogenannten 3. Hochschulreform in der DDR wurde die Fakultät aufgelöst und im September 1968 als Sektion Baustoffverfahrenstechnik neu profiliert, wobei die Grundideen F.A. Fingers völlig verloren gingen. Das war auch das Ende des ersten Institutes für Baustoffkunde an dieser Hochschule.
Der Friedrich-August-Finger-Bau (Coudraystraße 11A) wurde 1960 vom Institut für Baustoffkkunde der Hochschule für Architektur und Bauwesen in Weimar (HAB) bezogen. Die Planungen erfolgten zusammen mit dem dahinter liegenden Gebäude (Betonlabor) im Jahr 1956. Entworfen wurde der Gebäudekomplex von Professor Emil Schmidt (HAB-Angehöriger) und seinen beiden damaligen Assistenten Dipl.-Ing. Riemer und Dipl.-Ing. Geißler.
Eine detaillierte Geschichte des Instituts und des Gebäudes bis 2012 ist in diesem Dokument aufgeführt.
Für das Hauptgebäude des Friedrich-August-Finger-Baus war eine Summe von 10.000 (DDR-)Mark für Kunst am Bau vorgesehen. Dabei entstanden mehrere Kunstwerke, die das Treppenhaus des Gebäudes schmücken:
Vier Säulen in der Eingangshalle
Die vier Säulen in der Eingangshalle des Friedrich-August-Finger-Baus wurden von Bruno Quass und Gottfried Schüler von der Fakultät Architektur gestaltet.
Die "Glas – Keramik – Beton" benannten Motive zeigen Personen bei der Laborarbeit mit Glasgeräten und Tontöpfen. Die Gestaltung wurde mit Schleiftechnik mit schwarzer Einfärbung auf Aluminium-Blechen ausgeführt, die um die eigentlichen Säulen gerollt wurden.
Wandbild Freizeitgestaltung
Künstlerisch bemerkenswert ist das Wandbild » Freizeitgestaltung « in der 1. Etage des Treppenhauses. Es handelt sich um ein Mosaikbild mit den Abmessungen 200 cm x 480 cm und setzt sich aus 960 keramischen Wandplatten im Format 10 cm x 10 cm zusammen . Der Entwurf stammt vom langjährigen Dekorgestalter der Staatlichen Porzellanmanufaktur Meißen, Prof. Heinz Werner, unter Mitwirkung von Ludwig Zepner und Peter Strang. Hergestellt wurden die Porzellanplatten 1970 in der Abteilung Künstlerische Wandgestaltung der Manufaktur. Sie sind in Aufglasurmalerei ausgeführt und wurden auf sechs Tafeln montiert.
Natursteinwand
In der 2. Etage befindet sich eine Natursteinwand, die 1970, anlässlich der 4. ibausil angebracht wurde. Verantwortlich zeigte sich die Arbeitsgruppe Baugeologie der Sektion Baustoffverfahrenstechnik an der Hochschule für Architektur und Bauwesen Weimar, die sich mit dem VEB Elbenaturstein Dresden der Verwirklichung dieser Idee widmete. Anregung gab eine im Foyer des Verwaltungsgebäudes des VEB Elbenaturstein in Dresden angebrachte Musterwand.
Damals wie heute dient die Natursteinwand der Lehre.
Die detaillierte Geschichte dieser Wandgestaltung ist in "Die Natursteinwand der Arbeitsgruppe Baugeologie der Hochschule für Architektur und Bauwesen Weimar", Wissenschaftliche Zeitschrift der Hochschule für Architektur und Bauwesen Weimar, Heft 6 dargestellt.
Dinosaurierfährten
Die zwei rötlichen Steinplatten in der 2. Etage des Nebentreppenhauses zeigen Dinosaurierfährten. Die Platten wurden von Prof. Walter Steiner erworben und der HAB gestiftet. Sie waren seinerzeit ein seltener Fund. Erst in den letzten Jahren wurden wieder vergleichbare Fossilien in Tambach-Dietharz gefunden.
Marmortafeln mit Versteinerungen
Zwischen der ersten und zweiten Etages des Nebentreppenhauses finden sich zwei Marmorplatten mit Versteinerungen. Die Platten stammen aus dem ehemaligen Portal des heutigen Hotel Kaiserin Augusta am Bahnhof (früher Hotel International Weimar, später Intercity Hotel). Die Versteinerungen sind hauptsächlich Ammoniten stammen aus dem Devon.