Grundlagen der Permakultur – Was lehrt uns Permakultur?

Created by Laurens Reber | |   Einblicke Bauhaus.Module

Permakultur ist nicht nur gärtnerische Praxis. Vielmehr vereint der Begriff den gärtnerischen Entwurf mit einer permakulturellen Ethik. Bill Mollison, der als einer der Gründungsväter der Permakultur gilt, beschreibt die Grundsätze wie folgt:

„Die Philosophie hinter Permakultur will mit und nicht gegen die Natur arbeiten, sie ist eine Philosophie der fortlaufenden und überlegten Beobachtung und nicht des fortlaufenden und gedankenlosen Handelns; sie betrachtet Systeme in all ihren Funktionen, anstatt nur eine Art von Ertrag von ihnen zu verlangen.“

Die Grundidee ist dabei also recht simpel: Ökosysteme und Kreisläufe in der Natur sollen beobachtet, Muster erkannt und nachgeahmt werden. Die drei zugrundeliegenden ethischen Grundsätze lauten: Sorge für die Erde (Earth Care). Sorge für die Menschen (People Care). Begrenze Konsum und Wachstum und teile Überschüsse (Fair Share).

Monja Zöller und Daniel Guischard haben sich in ihrem Bauhaus.Modul „Grundlagen der Permakultur – Was lehrt uns Permakultur?“ diesen Ideen gewidmet.

Idee

Die Idee, ein Bauhaus.Modul zum Thema Permakultur anzubieten, kam ursprünglich von Monja. Nachdem sie in den vergangenen Jahren schon einige praktische Erfahrung gesammelt hat, war ihre Motivation für das Seminar vor Allem, Wissenschaft und Praxis zu verbinden, ihr Wissen zu Permakultur zu erweitern und Erfahrungen mit anderen auszutauschen; und speziell an der Uni in den Dialog darüber zu kommen. Gemeinsam mit Daniel, der an der Uni lehrt und deshalb Erfahrung in Entwurf und Lehre mitbringt, hat sie dieses Ziel entwickelt. Dabei steht die Übertragung der Ethik, Methoden und Prinzipien der Permakultur in die Fachbereiche der Studierenden, die universitäre Lehre und persönliche Lebensabschnitte im Fokus.

Lehrende

Monja studiert im Master Urbanistik. Das Bauhaus.Modul ist ihre erste universitäre Lehrerfahrung. Im Jahr 2022 hat Monja die Weiterbildung „Lernpfad zur Wildgestaltung“ gemacht, die auf Grundsätzen der Permakultur und Wildnispädagogik beruht. Seitdem beschäftigt sie sich privat intensiv mit dem Thema. Im Curriculum ihres Studiums ist das Thema explizit eigentlich nicht vorhanden. Sie sieht jedoch einen Zusammenhang mit der Planung im Allgemeinen:

„Für mich ist Permakultur ein Werkzeugkoffer für Planung und den kann man auf viele Sachen anwenden. Gerade, wenn man Räume planen will, egal in welchem Maßstab, hängt das für mich auf jeden Fall zusammen. Genauso ist für mich Landwirtschaft und die Frage, wie wir mit Böden umgehen, stark mit der Urbanistik verbunden.“ (Monja)

Daniel ist seit 2012 Mitarbeiter an der Professur Grundlagen des Entwerfens und unterrichtet dort, sowie an der Professur Bauformenlehre. Außerdem hat er bereits acht Jahre in der Landwirtschaft und in der Schafzucht gearbeitet. Sein erster Kontakt mit Permakultur erfolgte bereits 1996, infolgedessen er auf Permakulturhöfen und -projekten gearbeitet hat. Im universitären Kontext interessiert ihn vor allem, wie die Beziehung zur Umwelt und Mitwelt im Entwurf angelegt ist.

Das Mentoring für dieses Bauhaus.Modul übernahm Prof. Dr. Jan von Brevern (Professur Kunst- und Kulturgeschichte, AU). Für seine Unterstützung sind die beiden Lehrende sehr dankbar.

Aufbau

In der ersten Phase des Bauhaus.Moduls erarbeiteten die Lehrenden gemeinsam mit den Studierenden Grundlagen zum Verständnis von Permakultur, deren Theorie und Ethik anhand von Literatur und Diskussionen. Anschließend gestalteten zwei Gastdozierende jeweils zwei Unterrichtseinheiten. Während Gastdozent Filip Hillmann-Goncalves den Fokus auf Entwurfspraktiken und Permakultur-Design legte, nahm Pia-Marie Surkamp die sozialen und dekolonialen Aspekte der Permakultur in den Blick.

Ein zentraler Baustein des Moduls war die darauffolgende Exkursion. Diese hatte zum Ziel, die Theorie, die in diesem akademischen Modul im Vordergrund stand, mit der Praxis zu verbinden. Gemeinsam mit dem Verein kollektiv komplex e.V. verbrachte das Seminar einen Tag in Holzdorf bei Weimar. Dort gibt es eine gemeinschaftlich verwaltete, entwickelte und umgebaute Wald- und Weidefläche. Die dort existierenden Wiesenbiotope und Waldfläche erstrecken sich auf knapp 50.000 qm und schließen viele Randzonenbereiche, die sich durch besonders hohe Diversität auszeichnen, ein. Gleichzeitig sind an diesem Ort die Veränderungen durch den Klimawandel besonders gut sicht- und erfahrbar.

Auf die Exkursion folgte eine Phase, in der die Studierenden an individuellen Projekten arbeiteten. Den Teilnehmenden stand es frei, sich je nach Interesse mit unterschiedlichen Strömungen innerhalb der Permakultur auseinanderzusetzen. Dabei wurden unter anderem feministisch-politische, planerisch-technische und akademische Perspektiven, sowie permakultureller Gartenbau in den Blick genommen.

Die letzte Phase des Moduls widmete sich dann der Vorbereitung und Umsetzung der Ausstellung bei der go4spring.

 

Monja und Daniel sehen die Interdisziplinarität der Bauhaus.Module als einen großen Vorteil. Die Teilnehmenden des Seminars kamen aus allen vier Fakultäten der Uni Weimar und umfassten sowohl Studierende aus dem Bachelor als auch aus dem Master. Für Daniel „macht [das] den Raum auf, das Thema von unterschiedlichen Seiten zu beleuchten“. Jede Teilnehmer*in brachte unterschiedliche Qualitäten und Blickwinkel mit ins Seminar. Circa die Hälfte hatte bereits vorher Gärtner*innenerfahrung gesammelt.

Fazit

Auch wenn die Planung, Umsetzung, sowie die Vor- und Nachbereitung des Bauhaus.Moduls sehr arbeitsintensiv war, hat sich die Erfahrung für Monja und Daniel gelohnt. So konnte Monja ihre ersten Erfahrungen in der Lehre sammeln, sowie für sich selbst neue Aspekte und Perspektiven auf das Thema Permakultur mitnehmen und die dahinterstehende Ethik besser verstehen. Aber auch Daniel, der in seiner Beschäftigung an der Uni bereits viel Lehrerfahrung gesammelt hat, konnte sowohl inhaltlich zu Permakultur und zu seiner Forschung über das Thema als auch didaktisch neue Eindrücke gewinnen. Er sieht einen großen Vorteil der Bauhaus.Module darin, dass Studierende selbst Seminare organisieren und umsetzen können. Das kann für teilnehmende Dozierende zum Ergebnis haben, Gewohnheiten aufzubrechen und somit einen positiven Einfluss auf die Lehre allgemein haben, sowie Diversität von Stimmen und Diskursen fördern.

Besonders freut Monja und Daniel, dass sich viele der Teilnehmenden auch längerfristig mit dem Thema Permakultur befassen wollen. Nach den theoretischen Einblicken aus dem Seminar wollen sie nun Praxiserfahrungen in den Techniken des Gartenbaus, sowie in der resilienten Bau- und Planungspraxis sammeln und baten um Aufnahme in die verschiedene Vernetzungsgruppen für Permakultur in und um Weimar, um bei anstehenden Projekten mitzuwirken und zu lernen. Dabei können sie sich auf die im Seminar erarbeiteten Kenntnisse theoretischer Grundlagen berufen. Denn Permakultur ist nicht allein Theorie oder Praxis, sie ist die Verschränkung aus beidem.

 

 

Dieser Beitrag entstand im Rahmen eines Interviews mit den Lehrenden des Moduls.

Titel: Grundlagen der Permakultur – Was lehrt uns Permakultur?

Lehrende: Monja Zöller (stud. Ma AU), Dipl.-Ing. Daniel Guischard (AU)

Mentoring: Prof. Dr. Jan von Brevern (AU)

Semester: Wintersemester 2025/26

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