Ausgabe 3

 

Rückkopplung

Schon wieder „schien die Sonne, kitzelte die Wangen und blendete die Displays.“ Doch dieses Mal kein Pausieren, sondern ein Pulsieren. Nicht nur die Screens sind geblendet, wir sind es auch: es ist eine visuelle Rückkopplung, die unsere Augen klein macht. Zum Glück gibt es Sonnenbrillen, die das Blendlicht mal spiegelgleich reflektieren – oder für klare Sicht einfach nur minimieren, aber dazu später in der Schleife. Wir setzen sie uns auf und sehen hinab, was da noch so auf uns wartet.

Es geht also darum, Rückkopplungen sehen zu lernen. Sehen, was zurückwirkt, zurückkommt, entgegenkommt. In verspiegelte Sonnenbrillen blicken, zwischen zwei Spiegeln stehen. Der Multiplikation zusehen, dem Wachsen der Zinsen, dem Wachsen der Lawine – Remakes von Remakes.

Rückkopplung kann auch gehört werden: Als kreischender Lärm, anschwellendes Geräusch, als penetrierendes Fiepen, unkontrolliertes Echo, unausgesetzter Dialog, multipliziertes Signal. Irgendwo zwischen Quelle und Verstärker, zwischen Sender und Empfänger, zwischen Ein- und Ausgang ist immer etwas in der Luft. Die Rückkopplung springt uns an und wir vor ihr zurück, oder wir drehen uns in ihr in einem glücklichen Kreisel, sind von Rückkopplung umringt – auf Konzerten, in Loops und Loopings, im Echo.

Rückkopplung spüren: den Rückstoß beim Aufprall, das Gewicht beim Abstoß, der Pfiff des Schiedsrichters nach dem Kopfstoß, Sado und Maso, Feedback des Körpers, Widerstand und Wiederkehr. Risiken und Nebenwirkungen, crisis und Kritik.

Vor allem aber: Klarheit im Chaos finden. Rückkopplung reflektieren und Erfahrung mitteilen. Eigene und fremde, poetische und akademische, äußere und innere, akustische und visuelle. Input geben, Ideen recyceln, streiten, antworten, sich gemeinsam kurzschließen und dem Feedback aussetzen. Die Zeit zurückdrehen und noch einmal auf Anfang. Wieder Kind sein. Analogue love in digital times.

Und schließlich, die Rückkopplung als Form: Zirkularität geht mit Zitierfähigkeit einher. Wir schreiben Respondenzen, damit wir auch als Viele schreiben. Gleichzeitig denkt jeder weiter und wir wollen doch noch so viel mehr. Jeder Artikel ist Neuanfang und Ende, ist das Ende eines alten und die Geburt eines neuen Prinzips; wo es beginnt, ist entscheidend – oder eben gar nicht.

Redaktion

Lukas Beck, Felix Clasbrummel, Vanessa Engelmann, Michael Fischer, Verena Kalser, Vera Krellmann, Elisabeth Pichler, Anna Polze, David Recordon, Martin Siegler, Tom ullrich, Sebastian van Vugt, Susanne Wagner

Beiträge

Lukas Beck, Tatiana Braun, Felix Clasbrummel, Christian Dittloff, Dabian Ebeling, Felix Egle, Michael Fischer, Julian Jochmaring, Ekkehard Knopke, Vera Krellmann, Anna Polze, David Recordon, Franziska Reichenbecher, Martin Siegler, Viola Steinberg, Laura Trager, Tom Ullrich, Sebastian van Vugt, Susanne Wagner

Gestaltung

Elisabeth Pichler, Lukas Beck, Verena Kalser
Typografie: Karmina, Aller
Papier: Oikos, Fedrigoni; 100% Recyclingpapier

Förderung

StudierendenKonvent der Bauhaus-Universität Weimar

Preis: 7,00€

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