Verlernen vermitteln
Was heißt Kunstvermittlung?
[…] Es sei denn, wir nehmen die Vorsilbe „Ver-“ in dem Wort ernst. Dann geht es beim „Ver-mitteln“ auch darum, sich der Idee einer einfachen Übermittlung oder jener einer konsenssuchenden Mediation zu widersetzen und auch das, was dabei tradiert werden soll, kritisch reflektierbar zu machen. Dann würde gängiges Wissen beim Vermitteln möglicherweise nicht nur tradiert, sondern auch reflektiert und vielleicht sogar erschüttert.
In der postkolonialen Theorie wurde mehrfach auf die Notwendigkeit eines „Verlernens“ mächtigen Wissens hingewiesen, um sich mitten in der Struktur der Wissensproduktion mit dem Apparat der Wertekodierung anlegen zu können. Wenn wir Kunstvermittlung in dieser Weise verstehen, dann überwindet sie auch die gesellschaftliche Unterscheidung zwischen der Produktion und der Reproduktion von Wissen: Denn in der Zurückweisung des scheinbar bruchlosen Transfers von Werten und Wahrheiten liegt eine generierende Kraft der Kunstvermittlung.
Quelle
Sternfeld, Nora (2014): Verlernen vermitteln. In: Andrea Sabisch / Torsten Meyer / Eva Sturm (Hg.): Kunstpädagogische Positionen 30/2014, Hamburg: REPRO LÜDKE Kopie + Druck
