Intervention

Entwicklung setzt Veränderung voraus, ob in ökonomischen, politischen, gesellschaftlichen oder kulturellen Kontexten. Die Erfahrungen des Zweiten Weltkrieges führten in den 1960er Jahren zur Entstehung vielfältiger, stets wechselnder „Schnittstelle[n] von Psychologie, Sozialwissenschaft, politischem Aktivismus und Kunst“, um die Machtverhältnisse des menschlichen Lebens und Arbeitens zu überwinden. „Engagiertheit und eine Zielorientierung hin zu sozialer Gerechtigkeit“ (1) prägen noch heute die Aktions- und Interventionsforschung, die nicht nur auf das Sichtbarmachen, sondern auf Veränderung zielt. Künstler*innen leisten einen wesentlichen Beitrag, politische, ökonomische, soziale und kulturelle Verhältnisse zu untersuchen und durch gezielte Interventionen mitzugestalten und zu verändern. (2)

„Interventionen erlauben uns, kritische (…) Perspektiven auch dort zu platzieren, wo sie ansonsten kategorisch [ausdrücklich] ausgeblendet und verhindert werden.“ (3) Interventionen befragen die bestehende soziale Ordnung, unsere Wahrnehmungsweisen, unser Handeln und unser Denken. Sie schaffen durch zeitlich begrenzte, oft sozial oder politisch motivierte Einflussnahmen aber auch geplantes längerfristiges Eingreifen neue Denkräume. Nicht selten arbeiten Künstler*innen im Kollektiv auch mit Akteur*innen außerhalb der Kunst.

Zentrales Motiv für künstlerische Interventionen ist das Bedürfnis nach Aufhebung jeglicher Ungleichheiten. Künstler*innen setzen sich mit der Frage auseinander, wie und mit welchen künstlerischen Eingriffen sie diese herbeiführen können. Wie gelingt es ihnen, unser Denken und Handeln im Sinne eines besseren sozialen Miteinanders zu verändern? (4)

(1) Mörsch, C. (2016): Nichts für Ungeduldige: Skizze einer Geschichte widerstreitender Ideen und politischer Konjunkturen in der Aktionsforschung. Art Education Research No. 11/2016. Zürich, S. 1. | (2) Vgl. Steidinger, A. / Berg, O. (2016): Künstlerische Intervention (Interventionskunst/kreativer Aktivismus). PERIPHERIE – Politik, Ökonomie, Kultur. Jg. 36, Nr. 144 (3/2016). Stuttgart, S. 522–526. | (3) Micossé-Aikins, S. / Sharifi, B. (2018): Widerstand kuratieren. Politische Interventionen in eine elitäre, hegemoniale Kulturlandschaft. In: Bayer, N. / Kazeem-Kaminski, B. / Sternfeld, N. (Hg.) (2018): Kuratieren als antirassistische Praxis. Wien, S. 135–156, hier S. 140. | (4) Vgl. Steidinger, A. / Berg, O. (2016): Künstlerische Inter- vention (Interventionskunst/kreativer Aktivismus). PERIPHERIE – Politik, Ökonomie, Kultur. Jg. 36, Nr. 144 (3/2016). Stuttgart, S. 522–526.

Quelle

Rücker, Sandra / Dreyer, Andrea / Bauhaus-Universität Weimar, Professur Kunst und ihre Didaktik (Hg.) (2024): Bildberührung. Künstlerische Strategien im ländlichen Raum. 1. Aufl., Zwickau: Spektrum Zwei/Pabst & Beyer GbR

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beigetragen am 04.04.2025