Bilder sind mehr als Abbilder

»Bildgestaltung reduziert sich niemals darauf, ein Wiedererkennen von Gegenständen durch exakte Umrisse und genaue Schattierungen zu ermöglichen. Künstlerische Gestaltung kann nicht auf die bloße Dokumentation von Erfahrungen oder Erkenntnissen begrenzt werden (Buschkühle 2005a, 5). Verkümmert Darstellung zum Konstatieren, kann von Bildern nicht mehr gesprochen werden: ›Wer den Text hinter dem Bild […] allzu stark betont, landet unweigerlich bei einer Dominanz der Sprache, die das Bild – im wörtlichen Sinne – in seinen Möglichkeiten übersieht‹ (Boehm 2004, 35). Bilder sind mehr als Abbilder. Sie sind Ausdrucksmedien. Damit Ausdruck in ihnen zum Tragen kommt, muss das konkret Vorgefundene aufgearbeitet werden. Aufgearbeitet wird das Vorgefundene durch vom ästhetischen Denken bestimmte Interaktion mit dem Gegenstand. Hierbei erfährt dieser eine Umwandlung: Er wird als Rohmaterial der Darstellung durch ästhetisches Denken in das umgewandelt, was mit ihm im Bild ausgedrückt werden soll. Beim Gestalten geht es demnach um die Darstellung der eigenen Position zum Gegenstand (Buschkühle 2005a, 4). Gestalten zielt immer auf die Wiedergabe des Auszugs dessen ab, was der Gegenstand dem Gestalter bei dessen ganzheitlicher Erfahrung im Besonderen gesagt hat (Dewey 1988, 110). Was ausgedrückt wird, wird dem Gestalter durch den persönlichen Eindruck abgerungen, den die Dinge auf ihn ausübten. Ohne Ein-Druck gibt es keinen Aus-Druck im Bild.«

Quelle

Marr, Stefanie (2014): Kunstpädagogik in der Praxis. Wie ist wirksame Kunstvermittlung möglich? Eine Einladung zum Gespräch. Bielefeld: Transcript, S. 56

Bild

glasfenster quadratisch

Schlagworte

Themen

Autorinnen / Autoren

Rubrik

beigetragen am 07.10.2024