Eine Arbeit von Johann Niegl im Kurs Bild zu Ton, Ton zu Bild

Spiegel-Panel

Zufallsabhängige Bildprojektionen über eine bewegliche Spiegelfläche


1. Aufbau

Die Installation „Animierte Bildfragmente“ besteht im wesentlichen aus drei Teilen, einem Beamer, einem Spiegel-Paneel und einer Rückprojektionswand.

Das Spiegel-Paneel wird von einem quadratischen Holzrahmen mit Seitenlängen von 110 cm umschlossen. Die Fläche ist durch neun Quer- und neun Längsverstrebungen in 100 quadratische Fächer von knapp 11 x 11 cm Seitenlänge unterteilt. In jedem der Fächer ist ein kleiner quadratischer Polystyrolspiegel mit einer Seitenlänge von 9,5 cm frei beweglich an einer Kordel aufgehängt.

Das ganze Paneel ist mit Schnüren an der Decke befestigt und hängt mit einem Abstand von ca. einem Meter zur Unterkante über dem Boden.

Der Beamer steht seitlich im Abstand von ca. drei Metern auf einem ca. 180 cm hohen Podest und ist auf das Spiegel-Paneel gerichtet. Ebenfalls seitlich im Abstand von ca. drei Metern steht die Rückprojektionswand mit ca. 100 cm Höhe und 200 cm Breite. Spiegelpaneel, Beamer und Rückprojektionswand bilden ein gleichseitiges Dreieck.

Im ersten Aufbau hing das Paneel nahe einem geöffneten Fenster. Ansonsten sollte der Raum so weit wie möglich abgedunkelt sein, damit die Projektionen deutlich erkennbar werden.


2. Funktionsweise

Der Beamer projiziert ein Bild auf das Spiegel-Paneel. Jeder einzelne Spiegel wirft den auf ihn projizierten Bildausschnitt in einem etwas anderen Winkel zurück auf die Rückprojektionswand. Auf der Rückseite der Projektionsfläche sind 100 Fragmente des ursprünglichen Bildes in einer zufälligen Anordnung zu sehen. Durch die Bewegungen der Spiegel und des gesamten Paneels bewegen sich auch die projizierten Fragmente ineinander und gegeneinander über die Projektionsfläche.

Die Bewegungen der Spiegel können z.B. von einem durch das geöffnete Fenster kommenden Luftstrom erzeugt werden.

Besonders gut erkennbar werden die komplexen Bewegungen der Projektion, wenn nur ein kleiner Lichtpunkt auf die Mitte jedes Spiegels projiziert wird. Dadurch wird die Projektionsfläche nicht so stark ausgefüllt und das Bewegungsspiel der einzelnen Lichtpunkte besonders deutlich.


3. Wirkung

Ziel der Installation ist die Fragmentierung und zufallsbasierte Animation und Verarbeitung statischer Bilder. (Auch bewegte Bilder könnten auf ähnliche Weise verarbeitet werden.) Jedes eingespeiste Bildmaterial wird in 100 Einzelteile zerlegt. Diese werden auf zufällige Weise unterschiedlich reflektiert und erscheinen auf der Projektionsfläche in unvorhersehbarer neuer Zusammenstellung. Durch Bewegung des Paneels werden auch die Projektionen beweglich und verändern sich kontinuierlich. Ein ursprünglich statisches Bild wird so in eine animierte Projektion verwandelt. Es entsteht etwas Neues, ein rätselhafter Tanz der Bildfragmente (oder Lichtpunkte). Die Wirkung der Projektion bleibt aber immer – vergleichbar etwa mit einem Kaleidoskop – von der Qualität des ursprünglich eingespeisten Bildes abhängig.

Die Präsentation gewinnt an Reiz, wenn synästhetische Verbindungen zwischen dem zufälligen Auslöser der Bewegungen und der bewegten Projektionen hergestellt werden können: Im Falle des ersten Aufbaus war das Paneel vor einem geöffneten Fenster plaziert. Vorbeifahrende Autos, insbesondere große Laster, erzeugten offensichtlich einen Luftstrom und Luftwirbel, die das Paneel in entsprechende Bewegungen versetzten. Der veränderliche Verkehrslärm wurde in sinnlich unmittelbare wahrnehmbar Bildbewegungen übersetzt. Die Installation war also im Stande, zufällige Umwelteinflüsse (Straßenverkehr vor dem geöffneten Fenster) zu visualisieren.


4. Weiterentwicklung

Der oben beschriebene Aufbau der Installation funktionierte weitgehend erwartungsgemäß. Aufgrund der praktischen Erfahrungen bieten sich aber Veränderungen und Erweiterungen an. Im Folgenden werden einige Möglichkeiten genannt, wie die Installation im Detail verbessert oder konzeptionell weiterentwickelt werden könnte.

Zum einen zeigte sich, dass die verwendeten Polystyrolspiegel nicht wirklich plan waren. Sie wurden aus einem großen Stück von 1 x 2 Metern herausgeschnitten, das für den Transport aufgerollt worden war. Nach dem Zerschneiden in 100 kleine Spiegelflächen ließ sich die Wölbung der Spiegelteile nicht mehr ganz rückgängig machen. Dadurch entstanden ungewollte Verzerrungen in der Projektion. Um dies zu vermeiden, könnten die Polystyrolspiegel auf Brettchen aufgeleimt werden oder dickere Polystyrolspiegel bzw. (noch besser) Glasspiegel verwendet werden. Die Bildbewegungen würden sich dann aufgrund der höheren Masse der Spiegel wahrscheinlich verändern.

Weiterhin könnte die Präsentation durch eine interessante Plazierung an Wirkung gewinnen. Ich stelle mir eine Ausstellung in einem belebten öffentlichen Raum vor. Besonders reizt mich die Idee einer Installation in einem U-Bahnhof, bei der das Spiegel-Paneel durch vorbeifahrende Züge in Bewegung versetzt wird. Die bewegten Bilder könnten dabei auf eine Wand in der Tunneleinfahrt projiziert werden.

In der bisherigen Beschreibung des Projekts wurde das mit dem Beamer projizierte Bildmaterial nur am Rande beachtet. Bei einer zukünftigen Weiterentwicklung der Installation würde ich gerne versuchen, auch die Bildquelle an Zufallsoperationen zu knüpfen. So könnten z.B. zufällige Veränderungen in der Umgebung die Qualität oder die Auswahl der zu projizierenden Bilder beeinflussen. Verschiedene Parameter wie Farbton, Kontrast oder Helligkeit könnten z.B. über ein Mikrofon mit dem veränderlichen Geräuschpegel der Umgebung verknüpft werden. Die synästhetische Wirkung der Installation würde auf diese Weise vermutlich intensiviert.

Eine weitere Möglichkeit wäre es, Auswahl oder Qualität der Bildquelle mit der Intensität der Bewegungen auf der Projektionsfläche zu verknüpfen. Mithilfe einer Kamera, die die Projektion verfolgt, könnte eine Verknüpfung zur primären Bildgebung hergestellt werden. Auf diese Weise könnte es vielleicht zu einer interessanten Rückkopplung zwischen Projektion und Bildquelle kommen.