
Was bleibt vom Klang der Webstühle, wenn die Hallen verstummen? Die künstlerisch- praktische Arbeit lädt ein zu einer Reise in die textilen Landschaften der Vergangenheit. Zeitzeug:innen aus der Region Greiz erzählen von ihrer Arbeit in der Textilindustrie, von Gemeinschaft, vom Takt der Maschinen und vom Wissen um das, was Hände schaffen können.
Im Zentrum steht die Frage, wie sich unser Verhältnis zu Textilien durch den Strukturwandel seit der DDR-Zeit verändert hat, was mit einer Landschaft geschieht, wenn die sie prägenden Industrien verschwinden und wie sich unser Blick als Konsument:innen ändert, wenn Bezugspunkte fehlen. Die Arbeit lädt dazu ein, das textile Erbe der Region nicht nur als vergangene Geschichte zu begreifen, sondern als lebendiges Gewebe aus Erinnerungen, Umbrüchen und Transformationen, welches ebenso Anknüpfungspunkte im Hier und Jetzt bietet.



Abschlussarbeit "Entfremdung und Transformation im Textilen"
Künstlerisch-praktische Hausarbeit
zur Ersten Staatsprüfung für das Lehramt an
Gymnasien
August 2025
Eva-Maria Weikert
Interviews
Es ist eine Verzerrung in der Erinnerung (15:28 min)
Es gingen immer mehr Aufträge zurück (15:35 min)
Der Westen wollte dann auch nichts mehr (18:12 min)
Künstlerische Strategie
Ich habe mich ausgehend von der Annahme der textilen Entfremdung auf eine Suche nach Antworten in der Vergangenheit begeben. Dabei lag mein Fokus auf der Suche nach Menschen, die in der Blüte des textilen Sektors in Ostdeutschland (spezifisch in der Region der Greika – Greizer Kammgarnwebereien) gearbeitet haben. Mit diesen habe ich Interviews über ihre individuellen Erfahrungen im textilen Sektor geführt, welche ich dann im Wechselspiel mit Maschinenklängen zu jeweils einem Audio geschnitten habe. Im Raum eines ehemaligen Greika-Gebäudes wurden diese individuellen Perspektiven auf jeweils einem Lautsprecher abgespielt und überlagerten sich im Raum, wie sich auch die Klänge der Textilmaschinen im Raum überlagerten. Zitate aus den Interviews wurden auf Textilbahnen aufgegriffen, indem sie in monotoner Handarbeit aufgestickt wurden. Ebenso wurden Detailaufnahmen von Maschinen ausgestellt, welche Fragen zu textilen Prozessen aufwerfen. Die Arbeit soll vor allem Einzelperspektiven sichtbar machen und einen Raum zum Nachfühlen, Hinterfragen, Zusammenkommen und Diskutieren innerhalb verschiedener Generationen öffnen.
Prozess
Der künstlerische Prozess beginnt mit einer Spurensuche in der eigenen Heimat. Ausgehend von der Hypothese struktureller Entfremdung von textilen Fertigungsprozessen führt die Künstlerin Erinnerungsinterviews mit Zeitzeug:innen aus ehemaligen Textilbetrieben (Greika, alwo) sowie mit aktuell im Textilsektor tätigen Personen. Parallel erfolgt eine intensive Archivrecherche: Brigadebücher, Fotografien aus Betriebssammlungen und Zeitdokumente werden gesichtet und kontextualisiert. Der Prozess ist dabei nicht linear, sondern wird durch die Kontakte und
Erkenntnisse selbst bestimmt – der Fokus verschiebt sich von der Garnherstellung zur Weberei, da hier die meisten Erzählungen und Quellen vorhanden sind. Besuche in Industriemuseen (Schauweberei Braunsdorf, Textilschauwerkstatt Greiz) ermöglichen das Sammeln von Maschinenklängen und das Studium von Fertigungstechniken. Die wissenschaftliche Auseinandersetzung mit wirtschaftspolitischer und soziologischer Literatur wird durch regionale Recherche ergänzt. Aus dieser Gegenüberstellung verschiedener Perspektiven – Arbeiter:innen, Zeitdokumente, heutige Reflexion – ergibt sich das Erkenntnisinteresse für die künstlerische Umsetzung.

Was bleibt vom Klang der Webstühle, wenn die Hallen verstummen? Die künstlerisch- praktische Arbeit lädt ein zu einer Reise in die textilen Landschaften der Vergangenheit. Zeitzeug:innen aus der Region Greiz erzählen von ihrer Arbeit in der Textilindustrie, von Gemeinschaft, vom Takt der Maschinen und vom Wissen um das, was Hände schaffen können.
Im Zentrum steht die Frage, wie sich unser Verhältnis zu Textilien durch den Strukturwandel seit der DDR-Zeit verändert hat, was mit einer Landschaft geschieht, wenn die sie prägenden Industrien verschwinden und wie sich unser Blick als Konsument:innen ändert, wenn Bezugspunkte fehlen. Die Arbeit lädt dazu ein, das textile Erbe der Region nicht nur als vergangene Geschichte zu begreifen, sondern als lebendiges Gewebe aus Erinnerungen, Umbrüchen und Transformationen, welches ebenso Anknüpfungspunkte im Hier und Jetzt bietet.



Es ist eine Verzerrung in der Erinnerung (15:28 min)
Es gingen immer mehr Aufträge zurück (15:35 min)
Der Westen wollte dann auch nichts mehr (18:12 min)