Schrift als Informationsträger vermittelt Inhalt primär durch ihre semantische Bedeutung. Sobald wir sie in Bewegung versetzen, fügen wir eine dynamische Ebene hinzu: Bewegung erzählt visuell, nonverbal und schafft Bedeutungen abseits des bloß geschriebenen oder gesprochenen Wortes. In diesem Kurs lösen wir Schrift von ihren fixierten Positionen und überführen statische Kompositionen in dynamische Bewegungsabläufe. Wir begreifen Animation dabei nicht nur als technisches Werkzeug, sondern als eigenständige gestalterische Ausdrucksform. Bewegung wird so zum zentralen Erkenntnis- und Gestaltungselement. Dabei lernen wir sowohl analoge als auch digitale Methoden kennen und hinterfragen die Werkzeuge unserer Bilderzeugung: Welche Maschinen, Programme und Displays nutzen wir, welche visuellen Zustände bringen sie hervor und was vermitteln diese über das Medium selbst? Zudem ziehen wir direkte Parallelen zwischen Animation und der zeitgenössischen Schriftgestaltung: Das Setzen von Keyframes, um Elemente zu animieren, sie zu skalieren und zu transformieren, folgt demselben System wie die Erstellung eines Variable Fonts. Durch das Interpolieren zwischen Formzustand A und B steuern wir digitale Achsen frei an und erzeugen ein rhythmisch-texturales, typografisches Ereignis im Raum. Im Rahmen mehrerer praktischer Übungen erproben die Teilnehmer*innen unterschiedliche Animationsmethoden und gestalten kurze kinetische Skizzen sowie eine finale typografische Sequenz. Dabei untersuchen sie die Wirkung von Schrift in Bewegung und reflektieren die Bedeutung digitaler Oberflächen. |