| Beschreibung |
Arbeit ist mehr als eine Tätigkeit zur Sicherung des Lebensunterhalts. Sie ist eine soziale, körperliche und geistige Praxis, durch die wir unsere Umwelt gestalten, uns selbst erfahren und in Beziehung zu anderen treten. Doch welche Formen von Arbeit werden sichtbar, anerkannt und entlohnt – und welche bleiben unsichtbar, selbstverständlich oder unbezahlt? Kann Arbeit als Poesie des Alltags verstanden werden? Als eine Praxis, in der sich im scheinbar Gewöhnlichen Bedeutung, Aufmerksamkeit und Widerstand entfalten? Vielleicht ist Arbeit ein Labor des Beobachtens und des Tuns: ein Ort, an dem Wahrnehmung in Handlung übergeht und Handlung wiederum neue Formen der Wahrnehmung hervorbringt. Arbeit kann dabei als Übersetzungsmedium begriffen werden – zwischen Idee und Material, zwischen individuellem Erleben und gesellschaftlicher Realität, zwischen Körper, Sprache und Welt. Sie übersetzt Gedanken in Formen, Erfahrungen in Handlungen und unsichtbare Prozesse in sichtbare Spuren. Gleichzeitig ist Arbeit eine Methode: eine strukturierende und wiederholende Praxis, die Wissen erzeugt, Dinge hervorbringt und Veränderungen ermöglicht. Doch wo Arbeit stattfindet, entsteht auch Erschöpfung. Erschöpfung als entropische Materialität verweist auf den körperlichen und psychischen Verschleiß, der jeder Produktion innewohnen kann: auf Energie, die sich verbraucht, auf Ordnung, die instabil wird, und auf Spuren, die der Arbeitsprozess im Körper und in der Umgebung hinterlässt. Welche Vorstellungen von Arbeit tragen wir in uns? Welche Werte, Ängste und Sehnsüchte sind mit ihr verbunden? Und wie prägt uns unsere transgenerationale Beziehung zur Arbeit – das, was wir von unseren Eltern und Großeltern übernommen haben: Arbeitsdisziplin, Pflichtgefühl, Aufstiegsversprechen, Existenzangst, Stolz oder die Überzeugung, den eigenen Wert durch Leistung beweisen zu müssen? Vielleicht geht es deshalb nicht nur darum, zu fragen, was Arbeit ist, sondern auch, was sie sein sollte? Wie wird sie sichtbarer in unsichtbaren Umgebungen. Vor diesem Hintergrund werden wir multimediale künstlerische Strategien untersuchen und erproben, um die theoretischen Konzepte des Semesters experimentell auszuloten. Dabei wird das „Laboratische” zur leitenden Methode: Die inhaltlichen Kernthemen werden in enger Kooperation mit den Werkstätten der Universität materiell und praktisch umgesetzt. Die handwerklich-mediale Umsetzung werden wir dabei als eigenständigen Forschungsprozess begreifen, in dem technisches Wissen und die Eigenschaften der Materialitäten die künstlerische Fragestellung präzisieren und schärfen. |