| Beschreibung |
Lehrender: Christian Doeller Stell dir vor, du beobachtest die Vorgänge, Gegenstände und Lebewesen in einem zufällig ausgewählten Kubikmeter städtischen Raums und registrierst, wie sie auf diesen Raum einwirken, mit ihm interagieren oder ihn vorübergehend bewohnen. Vielleicht entdeckst du die ineinander verschränkten Hände von Spazierenden, Zigarettenkippen mit Abdrücken eines Lippenstifts oder eine zerkratzte Bordsteinkante, auf der regelmäßig Skateboards grinden. Vielleicht fällt dir eine bestimmte Moosart auf, die sich in den Ritzen der Pflastersteine angesiedelt hat, oder kleine Löcher, um die sich Ameisen scharen. Nach einem Regenschauer findest du vielleicht eine trockene Pfütze, in der sich bunte Pollen von Pflanzen sammeln, die auf einem nahegelegenen Balkon wachsen. Oder du stößt auf einen bestimmten Geruch, ein vertrautes Geräusch, den Luftzug eines vorbeifahrenden Fahrrads, die Resthitze des Motors eines kürzlich geparkten Autos. Im Projektmodul »Roaming the City« verstehen wir urbane Räume als dynamische und vielschichtige Umgebungen, die von menschlichen, tierischen, pflanzlichen, technologischen und atmosphärischen Prozessen geprägt sind. Wir nutzen verschiedene künstlerische Strategien sowie analoge und digitale Medien, um diese Prozesse zu beobachten, zu analysieren und letztlich in neue Perspektiven auf das scheinbar Alltägliche zu übersetzen. Der Begriff »Roaming« bezieht sich dabei einerseits auf das achtsame Umherwandern und Erkunden eines physischen Raums. Andererseits beschreibt er das »Einwählen« in verborgene Phänomene und Signale, die mithilfe von Sensortechnologien erfasst, analysiert und wahrnehmbar gemacht werden können. »Roaming the City« lädt dazu ein, diese beiden Erfahrungsebenen zu erkunden, beispielsweise durch das Konzipieren partizipativer Formate wie gemeinsame Spaziergänge oder spekulative Stadtrundgänge, die analog oder mit mobilen Tools durchgeführt werden. Oder etwa durch die visuelle, akustische oder räumliche Übersetzung von Echtzeitdaten, die mit selbst entwickelten Sensor-Devices erfasst oder über öffentlich zugängliche APIs von Wetterstationen und anderen Infrastrukturen abgerufen werden. Zur konzeptionellen Annäherung an das Thema widmen wir uns kollektiven Beobachtungsübungen, künstlerischen Positionen sowie Texten aus den Bereichen Stadtökologie, Medientheorie und Environmental Monitoring. Das Projektmodul richtet sich an Studierende, die gerne umherflanieren und an den Feinheiten alltäglicher Umgebungen hängenbleiben, die sich für verschiedene Maßstäbe und Perspektiven des Erlebens begeistern und eigene künstlerische Übersetzungsstrategien weiterentwickeln und schärfen möchten. Das Modul ist offen für alle Fachsemester, es sind keine spezifischen Vorkenntnisse nötig. Zum erfolgreichen Abschluss gehören regelmäßige Anwesenheit, eine Präsentation zum Seminarthema sowie die Entwicklung eines eigenständigen Zugangs in Form eines künstlerischen Prototyps und/oder einer Intervention im städtischen Raum. Anmeldung per E-Mail mit 2–3 Sätzen zu deiner Motivation bis zum 05. Oktober an christian.doeller@uni-weimar.de. |