Städte sind auch Räume der Kindheit, denn Kinder und Jugendliche nutzen, erleben und prägen Räume auf eigene Weise - dennoch bleiben ihre Perspektiven in Architektur, Stadtplanung und kritischer Stadtforschung häufig randständig. Das Seminar untersucht Städte als Erfahrungs- und Aneignungsräume von Kindern und Jugendlichen. Im Fokus stehen historische und gegenwärtige Veränderungen urbaner Kindheit im Kontext von Stadterneuerung, Massenmotorisierung und funktionalistischer Planung. Thematisiert werden Spielplätze als Ausdruck gesellschaftlicher Ordnungsvorstellungen ebenso, wie experimentelle Gegenbewegungen. Zudem diskutiert das Seminar aktuelle Entwicklungen wie Teilhabe und die Rolle einer neuen Interdisziplinarität. Interdisziplinarität | Das Seminar versteht sich als interdisziplinäre Lernplattform, auf der Studierende unterschiedlicher Fachrichtungen ihre jeweiligen Perspektiven und Kompetenzen in einen gemeinsamen Arbeitsprozess einbringen. Architektur- und Planungsstudierende erweitern ihren Blick um sozialräumliche und gesellschaftspolitische Fragestellungen und erhalten Einblicke in die praktische Arbeit von Expert:innen der Sozialen Arbeit. Durch die Verbindung von Theorie, praxisnahem Austausch und Projekt entsteht ein gemeinsamer Arbeitskontext, in dem Wissen kollaborativ entwickelt und angewendet wird. Eine gemeinsame theoretische Grundlage wird zu Beginn des Seminars durch Einführungssitzungen, gemeinsame Textdiskussionen und Kurzvorträge hergestellt; punktuelle fachliche Unterschiede werden durch Gruppenarbeit und begleitende Expert:innen-Inputs ausgeglichen. Lernziele und Kompetenzerwerb | Die Lernergebnisse verbinden analytische, reflexive und (gestalterische) Fähigkeiten. Auf Bachelor-Niveau erwerben die Studierenden grundlegende Kenntnisse zu historischen und gegenwärtigen Formen urbaner Kindheit sowie zu Fragen von Stadt, Öffentlichkeit und Teilhabe (Erinnern, Verstehen). Sie lernen theoretische Ansätze auf konkrete städtische Situationen anzuwenden und räumliche Phänomene kritisch zu analysieren (Anwenden). Auf Master-Niveau werden darüber hinaus komplexe gesellschaftliche und räumliche Zusammenhänge eigenständig analysiert und bewertet (Analysieren, Beurteilen). Im Rahmen von kleineren praktischen Interventionen oder Projekten entwickeln die Studierenden eigene Konzepte und experimentelle Handlungsvorschläge für den Stadtraum in Zusammenarbeit mit lokalen Akteur:innen und Kindern bzw. Jugendlichen (Erschaffen). Didaktisches Konzept | Das Seminar kombiniert Lehr- und Lernformate, um theoretische Reflexion und praktische Erfahrung miteinander zu verbinden. In Sitzungen mit Kurzvorträgen und gemeinsamer Textarbeit werden historische, gesellschaftliche und stadtsoziologische Grundlagen erarbeitet. Diskussionsrunden fördern die kritische Auseinandersetzung mit Themen sowie den Austausch. Ergänzend ermöglichen Gespräche mit Expert:innen und informelle Begegnungen mit Akteur:innen einen praxisnahen Zugang zu unterschiedlichen Formen urbaner Kindheit und sozialräumlicher Arbeit. Final können die Inhalte in Projektgruppen angewendet und in Kooperation mit Kindern oder Jugendlichen umgesetzt werden. Der didaktische Ansatz des Seminars basiert auf forschendem und projektorientiertem Lernen. Theorie und Praxis werden nicht getrennt behandelt, sondern aufeinander bezogen. Ausgangspunkt ist die gemeinsame Auseinandersetzung mit Fragestellungen, die anschließend durch Beobachtung, Gespräche und räumliche Praxis vertieft werden. Dozenten: Jannis Steinacker und Herr Prof. Frank Eckardt |