| Beschreibung |
Die inszenierte Fotografie ist ein stetiger Balance-Akt. In eine Szene einzugreifen, sie sogar zu erschaffen, schwebt zwischen Akzentuierung und Verfälschung, das Ausleuchten zwischen Nachahmung und Selbstständigkeit, das „ästhetische Bild“ zwischen visueller Anregung und oberflächlicher Symbolik. Schon früh in Konkurrenz zur Malerei gesetzt, behauptete sich die Fotografie als das neue Medium des reproduzierenden, (vermeintlich) objektiven Blickes. Mag die Malerei seit Beginn des 20. Jahrhunderts sich durch Abstraktion von der Fotografie abgetrennt zu haben, so entwickelt sich auf das fotografische Verständnis weiter. Nicht erst seit dem Streben nach „cinematic pictures“ ist das künstliche Licht ein Grundpfeiler vieler fotografischer Arbeitsweisen. Zwischen dem Arbeiten mit natürlichem und künstlichem Licht bilden sich unterschiedliche Ästhetiken, Formulierungen und Realitäten. Wer blitzt, muss sich nicht genau an das halten, was eigentlich an Licht gegeben ist. Somit regt das Blitzlicht nicht nur neue Formsprachen, sondern auch Fiktionalisierungen/Inszenierungen einer Szene an. Fotografie ist eine Sprache, an die technisch, konzeptionell und inhaltlich herangegangen wird. Das Fachmodul widmet sich dem Fotografieren auf Basis der Sprache, deren Vokabular das Blitzlicht einschließt. Zentral ist hier die technische Frage: Wie setzte ich eine gewünschte Lichtatmosphäre mit Blitzen um? Hierfür geht es über den Kurs um das fotografische Handwerk. Kenntnisse über das Arbeiten mit Blitzlichtern wird aufgebaut/erweitert, um eine Grundlage zu schaffen, auf der wir einen souveränen Ausdruck finden können. Das schließt nicht nur das Studio, sondern auch den äußeren Raum (ob zuhause, im Park oder der Straße) ein. Wir werfen einen Rückblick auf die Entwicklung der (künstlichen) Lichtatmosphären in der Fotografie. Nicht nur schauen wir auf die Malerei der Renaissance und des Barock, die den Piktorialismus stark beeinflusste, sondern auch auf aktuelle Nutzungen des Blitzes. Das fotografische Handwerk, das Entwickeln und Umsetzen von inszenierten und „ästhetischen“ Bildern, ist aber nicht das end-all-and-be-all des Kurses. Wer bewusst „schöne“ Bilder machen kann, muss sich auch mit der Frage beschäftigen, was sie beinhalten und transportieren. Vor allem die Frage nach Themen kann oft mit Unsicherheiten behaftet sein – vor allem, wenn ein Kräfteziehen zwischen der Ambition, bspw. politische Themen aufzugreifen, und der visuellen Formulierung besteht. Hat meine Arbeit einen tiefergehenden thematischen Inhalt oder spielt sie nur mit einer Ästhetik? Der Kurs hat den Anspruch, solche Problematiken im gemeinschaftlichen Diskurs anzugehen. Darüber hinaus wird er (mindestens) eine Theoriesitzung beinhalten. Theorie dient hier nicht als Selbstzweck. Sie ist kein Katalog an (notorisch) trockenen Texten, sondern eine Art, Fragen zu stellen und über die eigene Arbeit nachzudenken. Unter anderem geht es um die Bildwelt, das Fiktionale und Ästhetik, vor allem im politischen Kontext. Ebenso wird aufgegriffen, wie fotografische Entscheidungen (ob Thema, Konzept oder Technik) durch eine sprachliche Perspektive betrachtet werden können. Der Kurs lebt davon, das fotografische Schaffen als sozialen Moment zu verstehen. Mag eine Idee für ein Bild individuell sein, so ist der Prozess, durch den technische Kenntnisse aufgebaut und Projekte umgesetzt werden, einer, der stark vom Miteinander profitiert. Nicht nur lebt das Fotografiestudium vom regelmäßigen, sondern vor allem vom parallelen oder gemeinsamen Arbeiten. Deshalb ist es während des Semesters möglich, in gemeinsamer Absprache regelmäßige Treffen zu organisieren, zu denen in den Studios der Fotowerkstatt kollektiv gearbeitet wird. Zur Teilnahme ist eine absolvierte Studioeinführung, spätestens am Anfang des Semesters, notwendig. Nach Absprache mit den Studierenden findet der Kurs auf Deutsch oder Englisch statt. |
| Leistungsnachweis |
Active participation – 25% Regular attendance, thoughtful contributions to discussions, and engagement in studio work. Weekly assignments – 25% Short visual or written tasks that respond to readings, discussions, or experimental exercises. Final project + presentation – 50% A self-directed visual project developed over the course of the semester, culminating in a final critique and presentation. |