| Beschreibung |
Wir leben zusammen, und wir sind uns nicht einig. Dieses „Wir" ist nicht nur menschlich. Es benennt die geteilten, angrenzenden und anscheinend getrennten Umwelten und Gemeinschaften, in denen mehr-als-menschliche Lebensformen und wir aufeinander einwirken. Selbst scheinbar parallele, entfernte oder getrennte Zustände sind durchlässig: Eingriffe, Einflüsse und Fernverbindungen wirken, ohne dass ihre materiellen und zeitlichen Ketten notwendigerweise bekannt oder bewusst sind. In dem Projekt fragen wir danach, was Verbindung unter Bedingungen der Uneinigkeit bedeutet. Wir be- und verhandeln die Verbindungen eines Beziehungsgefüges selbst als Medium und Arbeitsmaterial. Was macht mich zum Mitglied einer Gruppe, wenn ich spiele, und was, wenn ich zuhöre? Feedback und Wechselwirkung werden nicht als Metapher, sondern als Methode verwendet: ein System von Knoten, die einander speisen, ohne sich einig sein zu müssen. Wir arbeiten mit Widerspruch und Dissonanz, mit Entlehnen, Borgen und Stehlen aus geteiltem Material, mit Koexistenz, Ankommen und Weggehen. Über das Semester entwickeln wir eine kollaborative, skulpturale Klanginstallation für die gemeinsame Ausstellung des Soundbereichs zur Winterwerkschau. Voraussichtlicher Ort ist die Sendehalle. Wir arbeiten mit vernetzten und verteilten Klangsystemen, skulpturalen und kinetischen Elementen, akustischer und elektroakustischer Kopplung, Wandlern (Mikrofonen, Transducern) und Field Recording. Die Mittel entwickeln sich aus dem, was die Teilnehmenden ins Projekt einbringen. Vorerfahrung ist willkommen, aber nicht erforderlich, und nicht-klingende Beiträge sind ausdrücklich Teil des Konzepts. Lektüren und diskursive Bezüge zur kritischen Kontextualisierung von Gemeinschaft, Zivilisation und Ökologie reichen von Charles Darwin, Ernst Haeckel und Lynn Margulis über Gregory Bateson. Heinz v. Foerster und die Kybernetik zweiter Ordnung bis zu John Bishoff, James Bridle, David Graeber und David Wengrow, David Haskell, Timothy Morton, You Nakai, John Oswald, Curtis Roads sowie Margo Neale und Lynne Kelly. Historische und künstlerische Referenzen umfassen u.a. Maryanne Amacher, Lygia Clark, Gego, Gordon Pask, Sara Szee, David Tudor, The League of Automatic Music Composers und The Hub. Das Projekt ist auf Zusammenarbeit angelegt. Wir arbeiten im Plenum, in Gruppen und in Einzelgesprächen; Beiträge entstehen in Teams und nehmen aus dem Austausch heraus Gestalt an. Auch aus vorangegangenen Projekten mitgeführte Arbeiten sind willkommen und können ihren Platz in der gemeinsamen Assemblage finden. |