Radiokunst hat viele Facetten und Formate: Sie kann live oder vorproduziert sein, als Podcast, Audiowalk, Hörspiel, Feature, Klangkomposition oder raumspezifische Installation entstehen. Gemeinsam ist all diesen Formen die Kunst des auditiven Erzählens. Im Mittelpunkt des Semesters steht dieses Handwerk: Wie erzählt man mit Klang? Wie recherchiert man ein Thema, gewinnt Interviewpartner*innen und gestaltet Aufnahmen? Wie entsteht aus Sprache, Geräuschen und Musik eine überzeugende Dramaturgie? Und wie bekommt ein Stück am Ende den richtigen Flow und die passende Mischung? Unabhängig vom Format durchlaufen wir dabei einen ähnlichen Produktionsprozess – von der Recherche bis zur fertigen künstlerischen Arbeit.
In diesem Semester bietet sich die besondere Möglichkeit, gemeinsam eine mehrteilige Audioinstallation für die Sendehalle Weimar zu recherchieren und zu produzieren oder dort zum Semesterende eigene Arbeiten auszustellen. Die Anlage entstand als unvollendete Nietzsche-Gedenkstätte der NS-Zeit, wurde später Rundfunkstandort der DDR und nach Jahren des Leerstands zuletzt zum Schauplatz illegaler Techno-Raves. Gemeinsam gehen wir den Spuren dieses außergewöhnlichen Ortes nach: Was verraten verschwundene Archive, rätselhafte Kellerräume und die Geschichte einer verschollenen Dionysos-Statue über Macht, Medien und Erinnerung? Wie lässt sich diese vielschichtige Geschichte künstlerisch recherchieren und für ein Publikum räumlich und akustisch erfahrbar machen? Studierende höherer Semester können nach Absprache auch eigenständige Projekte realisieren oder bereits begonnene Arbeiten – etwa aus dem Projekt Flurfunk – im Rahmen des Kurses weiterentwickeln, fertigstellen und in der Sendehalle präsentieren. Die parallele Belegung der Fachmodule „Das kuratierte Ohr” und/oder „Audiotools 2 – Klang im Raum” wird engstens empfohlen, da beide Module inhaltlich eng mit dem Projekt verbunden sind und die individuelle künstlerische Arbeit begleiten. Anmeldung: Bitte senden Sie bis spätestens 05.10.2026 ein kurzes Motivationsschreiben mit Angaben zu Ihren Vorkenntnissen und Ihrem Interesse am Projekt Sendehalle oder ein Exposé Ihres eigenen Vorhabens an nathalie.singer@uni-weimar.de und melanie.birnschein@uni-weimar.de. Die Veranstaltung beinhaltet eine Exkursion. |