| Beschreibung |
Die mit dem Internet oder dem Aufkommen sog. „sozialer Medien” einstmals verbundenen Utopien der Kommunikation, Konnektivität, Partizipation oder der freien Kulturproduktion stehen schon seit vielen Jahren in der Kritik. Die sozialen, politischen und ökologischen Folgen der Digitalität sind aus unterschiedlichen wissenschaftlichen Perspektiven kritisch beleuchtet worden und erleben angesichts der gegenwärtigen Veralltäglichung von KI-Technologien neuen Aufwind. Ausgehend von diesem Krisenbewusstsein verhandelt das Seminar die Frage, welche Zukunfts- und Gesellschaftsvorstellungen mit der Entwicklung und Verbreitung digitaler Medien im 20. und 21. Jahrhundert verbunden waren und sind. Dabei reflektieren wir auf theoretischer Ebene den Zusammenhang von technischer Operativität und sozialem Imaginären/Imaginieren. In der Analyse konzentrieren wir uns auf zwei Fallbeispiele: das „internet imaginaire” (Flichy) und das, was man in Anlehnung dazu das „social media imaginaire” nennen könnte. In mediengeschichtlicher Rückschau geht es uns darum, dominant-hegemoniale Imaginationen einer digitalen Gesellschaft zu erkennen und die Verzahnung von Technikentwicklung und -diskurs kritisch zu beleuchten. Darüber hinaus setzen wir uns mit Praktiken des Counterings auseinander, die sich gegen diese hegemonialen Vorstellungen digitaler Medien richten, sie unterlaufen oder subversive Potentiale an ihren Rändern entfalten. Das Seminar kombiniert Lektüre- und Textarbeit mit medienanalytischen Perspektiven auf konkrete Fallbeispiele aus der Geschichte und Gegenwart internetbasierter Medienumgebungen und lädt dazu ein, gemeinsam über die Zukunft dieser Medienumwelten zu spekulieren. |