| Beschreibung |
Im „Autoland” BRD ist Verkehrspolitik stark umkämpft. Ob Radweg, ICE-Strecke oder Parkplatz – über Sinn und Unsinn verkehrlicher Maßnahmen und Pläne bestehen große Differenzen, stehen sich Prinzipien, Betroffenheiten und Interessen gegenüber. Während das Fachplanungsrecht hier einen weitgehend technokratischen Prozess beschreibt, werden diese Positionen nicht nur durch Parteien und Verbände artikuliert, sondern insbesondere durch Bürgerinitiativen als anlassbezogene Zusammenschlüsse von Betroffenen, die in den vergangenen fünfzig Jahren zu einem bedeutsamen, ebenso viel gelobten wie kritisierten Element der bundesdeutschen Demokratie geworden sind. Mit diesem gesellschaftspolitischen Phänomen und den politischen Planungsprozessen, in die die Bürgerinitiativen eingebunden sind, wollen wir uns innerhalb des Planungsprojektes beschäftigen und anhand der Initiativen sowohl die Planungsprozesse als auch ihre verkehrspolitischen Inhalte analysieren, um selbst Standpunkte und Handlungsansätze für den Mobilitätsdiskurs zu entwickeln. Wir fragen etwa: - Was bewegt Menschen, die sich automobilistischen Verkehrsplanungen entgegenstellen?
- Auf welchen Wegen schließen sie sich zusammen und was tun sie, damit Ihre Positionen beachtet werden?
- Ist die Alternative zum Automobilismus Stillstand? Welche Imaginationen von autofreier und -ärmerer Zukünfte werden in Verkehrsinitiativen, sozialen Bewegungen und konkreten Utopien erdacht?
- Was bewegen Menschen mit ihrem antiautomobilen Widerstand?
- Welche Rolle spielt Planung in den Konflikten und im Denken und Handeln der Initiativen?
- Welche zusätzlichen Wege könnten Initiativen bestreiten?
- Welche Alternativen gibt es zu den vermeintlich eingefahrenen Wegen der Fernstraßenplanung?
Bei Verkehrswende und umweltgerechter Mobilität denken heute viele wahlweise an innerstädtischen Radverkehr oder Elektroantriebe. In der Vielfalt verkehrspolitischer Bürgerinitiativen fokussiert das Planungsprojekt jedoch auf diejenigen, die sich mit Bundesfernstraßenplanungen, vor allem aber dem Bau von Autobahnen auseinandersetzen. Damit geht das Projekt an eine wesentliche Wurzel der verkehrspolitischen Auseinandersetzung, die heute aber selten im Zentrum der Debatte zu stehen scheint. Autobahnen waren lange Zeit die Maßbänder des automobilistischen Fortschritts, Schaufenster einer hypermotorisierten Wirtschaft und Selbstverständigungen der individualisierten Wohlstandsgesellschaft – wohlgemerkt nach ihrer Aufladung als „edelste Verbindungen” und „Denkmal der Arbeit” in der die „Volksgemeinschaft” beschwörenden nationalsozialistischen Propaganda. Zugleich wird in täglichen Staus deutlich, dass sie die Mobilität nicht immer beschleunigen, wohl aber den Klimawandel, die Zerschneidung von Lebensräumen und die Flächenneuinanspruchnahme. Das Planungsprojekt beinhaltet eine Exkursion zu einem exemplarischen Autobahnbau (voraussichtlich A44), ermöglicht aber die Auseinandersetzung mit selbstgewählten Planungsräumen. Unter der gemeinsamen Fragestellung sind vielfältige individuelle analytische und konzeptionelle Vertiefungen möglich. |