| Beschreibung |
Immanuel Kant Frage: Was heißt: Sich im Denken orientieren? (1786) ist heute im Zeitalter der Polykrise mehr denn je aktuell. Von Kant ist zu lernen, dass Orientierung auch im Denken eines nicht vollständig objektivierbaren Bezugspunktes bedarf und weniger ein Wissen ist, als vielmehr die Fähigkeit, unter Bedingungen begrenzter Gewissheit handlungsfähig zu bleiben. Allerdings sind auch Techniken und nicht-menschliche Existenzweisen orientiert und orientierend (Magnetismus, Gravitation, Satelliten, etc.) und das erweitert die Perspektive auf das Thema medienphilosophisch. Das Seminar nimmt den Begriff der (Des-)Orientierung von zwei Seiten in den Blick: einerseits als grundlegende mediale und medienbasierte Operation der Welterschließung (Aufmerksamkeit, Navigation, Steuerung, Repräsentation, Wertung, etc.), andererseits als historisch und politisch codierte Praxis, deren vermeintliche Neutralität durch den ‚Orientalismus‘ (Said) und postkoloniale Theorien problematisiert wird. Dies eröffnet eine Brücke von Kant über Said und Ahmed bis hin zu aktuellen Fragen algorithmischer und KI-gestützter Orientierungsmedien. Die sog. ‚Philosophie der Orientierung‘ von Werner Stegmeier fungiert als medial ergänzungsbedürftiger Theoriebezug. |