Gesunde Nachbarschaft: Eine soziale Perspektive für Jena-Nord Jena Nord zeichnet sich durch eine landschaftlich attraktive Lage, einer guten Verkehrsanbindung und einem vielfältigen Wohnungsangebot aus. Städtebaulich teilt sich Nord in die gleichnamige Großwohnsiedlung, die in der Zwischenkriegszeit entstandene Siedlung sowie die Dorflagen Löbstedt und Zwätzen. Durch die Umnutzung ehemaliger militärischer Standorte sind in den vergangenen Jahren bereits neue Wohnquartiere, Gewerbestandorte und ein Nahversorgungszentrum entstanden. In den letzten 10 Jahren konnte Jena Nord insgesamt von einem Bevölkerungsgewinn profitieren. Demographisch zeichnet sich eine Dynamik von Alterung und Familienzuzug, wobei der Anteil der Bevölkerung mit Migrationshintergrund bei nun 15,5% und von Menschen mit SGB II-Bezug (4,9%) unterdurchschnittlich ist. Die Menschen in Jena-Nord haben ein hohes Sicherheitsgefühl und wollen dort wohnen bleiben. Die Lebensqualität des Sozialraums spielt hierbei eine zentrale Rolle. Wie muss diese weiterentwickelt werden, damit sie der demographischen Dynamik gerecht werden kann? Das Studienprojekt geht davon aus, dass die sozialen Bedingungen einer Nachbarschaft maßgeblich sind für das Wohlempfinden und die Gesundheit der verschiedenen sozialen Gruppen. In Zusammenarbeit mit dem Gesundheitsamt und weiteren Ansprechpartner*innen der Stadtverwaltung Jenasoll deshalb in Jena-Nord untersucht werden, in welcher Weise die Voraussetzungen geschaffen werden können, damit Menschen dort möglichst gesund leben können. Das Projekt orientiert sich dabei an ein holistisches Verständnis von Gesundheit, das insbesondere die Bedeutung sozialer Beziehungen in der Nachbarschaft für die Lebensqualität von Menschen in den Vordergrund stellt. Das Thema Einsamkeit und soziale Kontakte wird deshalb eine zentrale Bedeutung haben. Das Projekt wird sich in einem umfassenderen und vertieften Sinn mit den Erkenntnissen aus dem interdisziplinären Wissensgebiet von Gesundheits- und Stadtforschung beschäftigen. Hierzu sind in den letzten Jahren wichtige Erkenntnisse über den Zusammenhang von Gesundheit und dem Leben in der Stadt entstanden, die bislang aber im Kontext der Stadtplanung und Urbanistik wenig Aufmerksamkeit gefunden haben. Im Rahmen des Projekts sollen diese, auch durch externe Referent*innen, vermittelt und erarbeitet werden. Das Projekt wird in Zusammenarbeit mit den Partnern in Jena zu einzelnen Themen in Arbeitsgruppen über die Sozialräume von Kindern, Jugendlichen, Familien und Senior*innen, Mobilität, Sport, gesundheitliche Versorgung und Infrastruktur, Klima-Anpassung (Beschattung, Wasserversorgung, Hitze-Inseln etc.) und anderen Themen arbeiten. Dabei werden Methoden der qualitativen Sozialforschung eingeübt. Die Ergebnisse des Projektes sollen der Stadt Jena vorgestellt und für ihre weitere Strategie-Entwicklung zur Verfügung gestellt werden. Richtet sich an: BA Urbanistik, 3. und 5. Semester Dozent: Prof. Dr. Frank Eckardt Termine: Dienstags, 9.15.-15.00, erster Termin: 13.10.2026 |