Holz wird nicht geschraubt – es wird gefügt. Dieses Seminar untersucht die konstruktive Intelligenz traditioneller Holzverbindungen in Europa und Japan. Im Zentrum steht das gemeinsame Erarbeiten von Grundlagen, historischen Entwicklungen und konstruktiven Prinzipien: Wie entstehen Halt und Dauer allein durch Geometrie, Reibung und Präzision? Wie funktionieren Zug- und Druckverbindungen? Wie wird Kraft im Holz geführt? Die theoretischen Inhalte werden im Seminar dialogisch entwickelt. Gemeinsam erarbeiten wir die grundlegende Terminologie der Holzverbindungen und spannen einen Bogen von einfachen zu komplexen Verbindungsgeometrien. Dabei versuchen wir, historische Kontexte zu verstehen, kulturelle Unterschiede zwischen europäischen und japanischen Traditionen zu identifizieren und die Prinzipien materialgerechten Entwerfens herauszuarbeiten. Die Inhalte werden diskutiert, skizziert, analysiert und konstruktiv nachvollzogen, sodass sich begriffliches Wissen und räumliches Verständnis wechselseitig vertiefen. Parallel dazu schärfen praktische Werkstattphasen das Verständnis durch eigenes Herstellen ausgewählter Verbindungen im Maßstab 1:1. Auf dieser Grundlage entsteht ein individuelles, leimfrei gefügtes Objekt oder Möbelstück. Das Seminar versteht Konstruktion als kollektiven Erkenntnisprozess: Wissen wird nicht vermittelt, sondern gemeinsam entwickelt – aus dem Material, durch die Hand und im Austausch. |