Strukturen für den Weiterbau Wie kann Architektur aus der Tradition lernen, ohne historisierend zu werden? Welche konstruktiven Prinzipien tragen über Jahrhunderte hinweg – und wie lassen sie sich in eine zeitgenössische Architektursprache übersetzen? Das Seminar widmet sich der Frage, was wir aus der traditionellen chinesischen Architektur – etwa aus dem Holzbausystem mit Dougong-Verbindungen, der modularen Rasterstruktur oder der klimatisch wirksamen Dach- und Hoftypologie – für heutige Entwurfsaufgaben lernen können. Historische Referenzen werden ebenso betrachtet wie zeitgenössische Positionen, beispielsweise das Werk von Wang Shu / Amateur Architecture Studio. Anhand dieser Beispiele analysieren wir Konstruktionen, Fügungen, Materialstrategien und räumliche Typologien und diskutieren ihre Übertragbarkeit in aktuelle Entwurfsprozesse. Im Zentrum steht der Gongming-Markt als konkreter Untersuchungs- und Entwurfsort. Die bestehenden Strukturen werden hinsichtlich Tragwerk, Materialität, Maßstäblichkeit und klimatischer Performance analysiert. Darauf aufbauend entwickeln wir Strategien des Weiterbauens: Wie kann Bestand ergänzt, überlagert oder transformiert werden? Welche Materialien eignen sich für eine konstruktive und atmosphärische Fortschreibung? Wie artikuliert sich ein Neubau im Spannungsfeld von Respekt, Kontrast und Kontinuität? Ein besonderer Fokus liegt auf der Detailarbeit: Türen, Fenster, Fassaden und Dächer werden als eigenständige konstruktive und kulturelle Elemente untersucht. Ebenso spielt die Typologie von Innen-, Außen- und Zwischenräumen eine zentrale Rolle – Übergänge, Schwellen, Höfe, überdeckte Außenräume und Schattenschichten werden als klimatische und soziale Vermittler verstanden. Die Auseinandersetzung mit Hitze, Starkregen und Wind führt zu einer material- und konstruktionsbezogenen Entwurfslogik, die Klima nicht als Problem, sondern als formgebende Kraft begreift. |